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| | #REDIRECT [[Daimon des Lebens | Leben]] |
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| == Prometheus ==
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| [[Bild:Cosimo.jpg|thumb|Prometheus formt den ersten Menschen nach Vorbild der Götter. Piero di Cosimo, Der Mythos des Prometheus, 1515. Öl auf Holz, 68 × 120 cm, Alte Pinakothek München]]
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| Bis weit ins 19. Jahrhundert herrschte in den Naturwissenschaften der Glaube an die Entstehung von Mikroorganismen, Würmern und Insekten aus Schleim, Erde oder verwesendem Abfall. Die Verwandlung toter Materie in Leben wurde als „Generatio spontanea“ (spontane Zeugung) oder '''Abiogenese''' (Urzeugung) beschrieben und erinnert an die vielfältigen Schöpfungsmythen: Prometheus formte nach Ebenbild der Götter den Menschen aus Lehm; Adam leitet sich von hebräisch „ādāma“ (Erde) ab; im Quran schafft Allah den ersten Menschen, indem er aus Lehm Körper formt und ihnen seinen Geist einhaucht.<ref>Vgl. Sure 38:71, 72 – Sad: „Als dein Herr zu Seinen Engeln sprach: ‚Seht, Ich werde den Menschen aus Ton/Lehm erschaffen, und wenn Ich ihn geformt und ihm von Meinem Geist eingehaucht habe, dann fallt vor ihm nieder!’“</ref>
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| Selbst vom Menschen geschaffene Wesen wie der [[Golem]] (hebräisch: Klumpen, formlose Masse) wurden aus Lehm gestaltet und über sprachliche Codes und geistige Kraft animiert.
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| Bei den Griechen schlummerte der göttliche Samen im Boden. Das Leben steckte als Keim in der Erde und musste nur in die richtige Form gebracht werden, um zu erwachen. Prometheus imitierte die Form der Götter und wies seinen Figuren gute wie schlechte Eigenschaften von Tieren zu, etwa den Fleiß des Pferdes oder die Schlauheit des Hundes. Athene hauchte schließlich mit ihrem göttlichen Atem den hybriden Wesen Verstand und Vernunft ein. Den zunächst hilflosen, ohne Wissen und Erfahrung ausgestatteten Menschen lehrte Prometheus technische Kunstfertigkeiten (entechnos sophia).
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| Als Beispiel einer Generatio spontanea galt seit dem Mittelalter das Auftreten von Maden in verwesendem Fleisch. Obgleich Mediziner wie William Harvey (1578 - 1657) und Francesco Redi (1626 - 1697) die Vorstellung einer Generatio spontanea bezweifelten und für das menschliche Auge unsichtbare Keime und Eier vermuteten, entwickelten sich in der Romantik darauf aufbauende Theorien. Die Trennung zwischen Organischem und Anorganischem sowie zwischen Vitalismus und Mechanismus sollte aufgehoben und durch eine ganzheitliche Sichtweise überwunden werden. Die romantische Theorie der Organisation lebender Systeme wollte klären, wie auf der Grundlage einer einheitlichen Schöpfungsordnung Leben "aus jenen gestaltlosen Kräften und Meeren", d.h. aus der Unordnung und dem Chaos hervorgehen können.<ref>Novalis, [http://books.google.at/books?id=V3kTAAAAYAAJ&pg=RA1-PA62&lpg=RA1-PA62&dq=%22gestaltlosen+Kräften+und+Meeren%22&source=bl&ots=JIdLCLnO7_&sig=7BvxeZtUHuNYoa1QeSxzYcJnaGo&hl=de&sa=X&oi=book_result&resnum=4&ct=result#PRA1-PA62,M1 Die Lehrlinge zu Sais], Berlin 1837, S. 62</ref>
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| Nach Schelling existiert keine "unorganische" Natur, da alles miteinander verbunden ist und sich gegenseitig bedingt. Dieser Auffassung folgend entwickelte Lorenz Oken (1779 - 1851) ein Natursystem, das alle Aspekte des Natürlichen nondualistisch in Beziehung setzte. Auf der Erschaffung der Grundmaterie "Generatio originaria" basiert der zweite Prozess der "Generatio aequivoca", bei dem sich Grundbausteine oder "Infusorien" lösen und zu neuen organischen Komplexitäten verbinden. Wie bei Carl von Linné (1707 - 1778), der mikroskopische Wesen als Chaos infusorium seinem System eingegliedert hatte, galten sie als Beweis für eine ständig stattfindende Urzeugung. Das Infusorium dachte Oken als Urbläschen, Urzelle oder Samen, aus dem sich alles Leben aufbaut.<ref>Im ''Lehrbuch der Naturphilosophie'' beschreibt Oken die Infusorien: "3181. Die niedersten Thiere fangen mit dem Wasser an, das kaum zu Schleim geworden ist; sind nichts als Körner, Bläschen, welche selbstständig umherschwimmen. Urthiere, Infusionsthierchen.
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| 3182. Die Infusorien entsprechen dem männlichen Samen. Sie sind der Thlersamen des Planeten, das aufgelößte Thier. Tiefer kann die Thlerzeugung nicht anfangen. Der Stein, welcher sich zersetzt in gewässerten Kohlenstoff, kann nichts geringeres werden als ein Punct. Sie sind das thierlsche Keimpulver. Der Pilz ist Wurzel, die unmittelbar in Samen - Pilzstaub — sich auflößt. So sind die Infusorien Hoden, welche sich in Samen aufgelößt haben, flüssige Hoden - Hodenthiere, Samenthiere.
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| 3183. Der Samen ist aufgelößte Punctmasse, Nervenmasse. Die Infusoriei sind empfindende Puncte, Nervenpuncte, welche alle andern Processe in dieser identischen Masse vereiniget haben. Die zerfallene Punctmasse sieht aber in der Bedeutung des Bläschen- oder Zellgewebs. Die Infusorien sind nervöse Zellen.
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| 3184. Nervenzellen müssen in jedem Wasser entstehn, weil jedes Wasser mit der Erde und mit der Luft in Spannung ist, also jene auflößt und diese athmet. Das Wasser selbst ist ein verfaulender und athmender Schleim."
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| Oken, ''Lehrbuch der Naturphilosophie'', Jena 1831, S. 402.</ref> Im Urschleim schlummern Infusorien wie im Prometheus-Mythos die Samen der Götter und bereiten das fruchtbare Ursubstrat, aus der die gesamte organische Welt der Pflanzen und Tiere hervorgeht.<ref>"958. Besteht die organische Grundmasse aus Infusorien, so
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| muß die ganze organische Welt aus Infusorien entstehen; Pflanzen
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| und Thiere können nur Metamorphosen von Infusorien seyn.
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| 959. Ist dieses, so müssen auch alle Organisationen aus In-
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| fusorien bestehen, und sich bey ihrer Zerstörung in dieselben auflösen.
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| Iede Pflanze, jedes Thier verwandelt sich bey der Maceration
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| in eine schleimige Masse; diese verfault, und die Flüssigkeit ist mit
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| Infusorien angefüllt.
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| 960. Das Faulen ist nichts anderes als ein Zerfallen der Organismen
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| in Infusorien, eine Reduction des höhern Lebens auf
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| das Urleben.
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| 961. Die Organismen sind eine Synthesis von Infusorien.
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| Die Erzeugung ist nichts anderes als eine Zusammenhäufung um
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| endlich vieler Schleimpuncte, Infusorien.
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| Es sind nehmlich die Organismen nicht schon im Kleinsien
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| ganz und vollständig gezeichnet, präformiert enthalten; sondern nur
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| infusoriale Bläschen, die durch verschiedene Combinationen sich
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| verschieden gestalten und zu höhern Organismen aufwachsen."
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| Ebenda, S. 155.</ref>
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| == Frankenstein ==
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| [[Bild:Miller.jpg|thumb|Original-Glaskolben des Miller-Experiments]] | |
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| Im kalten Sommer 1816, den Mary Shelly (1797 - 1851) zusammen mit ihrem Ehemann Percy bei Lord Byron am Genfersee verbrachte, nahmen Gedanken und Gespräche über die Urzeugung, Alchemie, den Prometheus-Stoff, Spukgeschichten und Miltons ''Paradise Lost'' großen Raum ein. Percy Shelly verfasste wenig später sein Drama ''Prometheus Unbound'' und Mary Shelly ihren Roman ''Frankenstein or The Modern Prometheus''. Bevor Mary Shelly ihren Roman zu schreiben begann, las sie Erasmus Darwins Überlegungen zur Madentheorie und Generatio spontanea. Charles Darwins Großvater machte Experimente mit verwesenden Nudeln, in denen er die Entstehung dünner Würmer beobachtete.
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| Charles Darwin spekulierte 1871 in einem Brief an den Botaniker Joseph Hooker über die Möglichkeit des chemischen Ursprungs des Lebens: "It is often said that all the conditions for the first production of a living organism are present, which could ever have been present. But if (and Oh! what a big if!) we could conceive in some warm little pond, with all sorts of ammonia and phosphoric salts, light, heat, electricity, etc., present, that a protein compound was chemically formed ready to undergo still more complex changes, at the present day such matter would be instantly devoured or absorbed, which would not have been the case before living creatures were formed."
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| Aus einem warmen Teich mit Ammonium, Phosphorsalzen, Licht, Hitze und Elektrizität vermutete Darwin, könnten sich die Bausteine des Lebens geformt haben.
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| == Pygmalion ==
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| [[Bild:Pygmalion.jpg|thumb|Jean-Léon Gérôme, Pygmalion und Galatea, um 1890. Öl auf Leinwand, 87,5 x 68,6 cm. Metropolitan Museum of Art, New York.]]
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| Die ausführlichste antike Schilderung findet sich in Ovids [http://www.textlog.de/35365.html Metamorphosen].
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| Der Künstler Pygmalion von Zypern ist aufgrund schlechter Erfahrungen mit Frauen, die sich prostituierten, zum Frauenfeind geworden und lebt nur noch für seine Bildhauerei. Ohne bewusst an Frauen zu denken, erschafft er eine Elfenbeinstatue, die wie eine lebendige Frau aussieht. Er behandelt das Abbild immer mehr wie einen echten Menschen und verliebt sich schließlich in seine Kunstfigur. Am Festtag der Aphrodite fleht Pygmalion die Göttin der Liebe an: Zwar traut er sich nicht zu sagen, seine Statue möge zum Menschen werden, doch bittet er darum, seine dereinstige Frau möge so sein wie die Statue. Als er nach Hause zurückkehrt und die Statue wie üblich zu liebkosen beginnt, wird diese langsam lebendig. Aus der Verbindung geht ein Kind namens Paphos hervor.
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| Agalmatophilie bezeichnet eine starke Zuneigung bzw. sexuelle Präferenz gegenüber (nackten) Statuen. Auch andere unbelebte menschliche Darstellungen wie Gemälde oder (Sex-)Puppen können als Fetisch dienen.
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| == Einzelnachweise ==
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| <references />
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| == Weblinks ==
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| Jeffrey L. Bada, Antonio Lazcano, [http://www.sciencemag.org/cgi/content/full/300/5620/745 Prebiotic Soup - Revisiting the Miller Experiment]
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