Daimon: Unterschied zwischen den Versionen

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Der griechische "Daimon" (δαίμων) ist ein Schutzgeist (wörtl. "Geist der Abgeschiedenen"), der dem römischen [[Genius]] und dem [[Engel | Schutzengel]] nahesteht und sich von [[Daimonion | "Daimonion"]] (δαιμόνιον, griech. Schicksal, Gewissen) und δαιομαι (''daiomai'', teilen, zerreißen) ableitet. Daimon gehört vermutlich mit einer Grundbedeutung „[[Verteiler | Verteiler, Zuteiler]] (des Schicksals)“ zu griech. „daiesthai“ „(ver)teilen“ und steht zusammen mit griech. „[[Demokratie | demos]]“ „Gebiet, Gau; Volk“ (eigentlich „Abteilung“) im größeren Zusammenhang der idg. Sippe von nhd. „[[Zeit]]“. In diesem Sinne wird Daimon überwiegend mit "Zu- und Verteiler" des Schicksals übersetzt, der über den Tod hinaus - vergleichbar der Vorstellung der Seele - weiter existiert. Im antiken Griechenland wurde Daimon wie „Theos“ zur Benennung des Göttlichen gebraucht. Im Unterschied zu Theos benannte Daimon keinen Gott, der im kultischen Leben Bedeutung besaß, sondern eine höhere Kraft, die dem Menschen sein Schicksal zuteilte. Der Daimon als Zu- und Verteiler des Schicksals konnte zum Vorteil oder zum Nachteil gereichen, er konnte glücklich (eu-daimon) oder unglücklich (kako-daimon) machen. Nach Sokrates war jedem Menschen von Geburt an ein Daimon zugewiesen, mit dem er zu leben hatte. Das [[Daimonion]] (δαιμόνιον) des [[Sokratischer Dämon | Sokrates]] warnte diesen vor Unglück, gab aber niemals Empfehlungen zum Glück. Bei [[Platon]] konnte der Daimon frei gewählt werden und fungierte in dessen Vorstellung als Überbringer der Ideen: "Nicht euch wird ein Daimon erkiesen, sondern ihr wählt euch euren Daimon!"<ref>Platon, ''Der Staat'', Stuttgart 1982, S. 363/(618a)</ref>
Der griechische "Daimon" (δαίμων) ist ein Schutzgeist (wörtl. "Geist der Abgeschiedenen"), der dem römischen [[Genius]] und dem [[Engel | Schutzengel]] nahesteht und sich von [[Daimonion | "Daimonion"]] (δαιμόνιον, griech. Schicksal, Gewissen) und δαιομαι (''daiomai'', teilen, zerreißen) ableitet. Daimon gehört vermutlich mit einer Grundbedeutung „[[Verteiler | Verteiler, Zuteiler]] (des Schicksals)“ zu griech. „daiesthai“ „(ver)teilen“ und steht zusammen mit griech. „[[Demokratie | demos]]“ „Gebiet, Gau; Volk“ (eigentlich „Abteilung“) im größeren Zusammenhang der idg. Sippe von nhd. „[[Zeit]]“. In diesem Sinne wird Daimon überwiegend mit "Zu- und Verteiler" des Schicksals übersetzt, der über den Tod hinaus - vergleichbar der Vorstellung der Seele - weiter existiert. Im antiken Griechenland wurde Daimon wie „Theos“ zur Benennung des Göttlichen gebraucht. Im Unterschied zu Theos benannte Daimon keinen Gott, der im kultischen Leben Bedeutung besaß, sondern eine höhere Kraft, die dem Menschen sein Schicksal zuteilte. Der Daimon als Zu- und Verteiler des Schicksals konnte zum Vorteil oder zum Nachteil gereichen, er konnte glücklich (eu-daimon) oder unglücklich (kako-daimon) machen. Nach Sokrates war jedem Menschen von Geburt an ein Daimon zugewiesen, mit dem er zu leben hatte. Das [[Daimonion]] (δαιμόνιον) des [[Sokratischer Dämon | Sokrates]] warnte diesen vor Unglück, gab aber niemals Empfehlungen zum Glück. Bei [[Platon]] konnte der Daimon frei gewählt werden und fungierte in dessen Vorstellung als Überbringer der Ideen: "Nicht euch wird ein Daimon erkiesen, sondern ihr wählt euch euren Daimon! (...) Des Wählenden ist die Schuld, Gott ist schuldlos!"<ref>Platon, ''Der Staat'', Stuttgart 1982, S. 363/(617e)</ref>


Weiters verstanden die Griechen unter Daimon einen Gott ohne Namen, der sowohl Schmerz als auch Lust übertragen konnte. In seiner Funktion als Schicksalsbringer stand der Daimon zwischen den Göttern und den Menschen.  Als Medium war er - wie bei Platon - ein Überbringer von Ideen und musste sich auf Erden - vergleichbar einem [[Avatar]] - inkarnieren bzw. mediensprachlich in den physischen Körper eines Menschen "einloggen".  
Weiters verstanden die Griechen unter Daimon einen Gott ohne Namen, der sowohl Schmerz als auch Lust übertragen konnte. In seiner Funktion als Schicksalsbringer stand der Daimon zwischen den Göttern und den Menschen.  Als Medium war er - wie bei Platon - ein Überbringer von Ideen und musste sich auf Erden - vergleichbar einem [[Avatar]] - inkarnieren bzw. mediensprachlich in den physischen Körper eines Menschen "einloggen".  

Version vom 5. November 2007, 16:00 Uhr

Der griechische "Daimon" (δαίμων) ist ein Schutzgeist (wörtl. "Geist der Abgeschiedenen"), der dem römischen Genius und dem Schutzengel nahesteht und sich von "Daimonion" (δαιμόνιον, griech. Schicksal, Gewissen) und δαιομαι (daiomai, teilen, zerreißen) ableitet. Daimon gehört vermutlich mit einer Grundbedeutung „ Verteiler, Zuteiler (des Schicksals)“ zu griech. „daiesthai“ „(ver)teilen“ und steht zusammen mit griech. „ demos“ „Gebiet, Gau; Volk“ (eigentlich „Abteilung“) im größeren Zusammenhang der idg. Sippe von nhd. „Zeit“. In diesem Sinne wird Daimon überwiegend mit "Zu- und Verteiler" des Schicksals übersetzt, der über den Tod hinaus - vergleichbar der Vorstellung der Seele - weiter existiert. Im antiken Griechenland wurde Daimon wie „Theos“ zur Benennung des Göttlichen gebraucht. Im Unterschied zu Theos benannte Daimon keinen Gott, der im kultischen Leben Bedeutung besaß, sondern eine höhere Kraft, die dem Menschen sein Schicksal zuteilte. Der Daimon als Zu- und Verteiler des Schicksals konnte zum Vorteil oder zum Nachteil gereichen, er konnte glücklich (eu-daimon) oder unglücklich (kako-daimon) machen. Nach Sokrates war jedem Menschen von Geburt an ein Daimon zugewiesen, mit dem er zu leben hatte. Das Daimonion (δαιμόνιον) des Sokrates warnte diesen vor Unglück, gab aber niemals Empfehlungen zum Glück. Bei Platon konnte der Daimon frei gewählt werden und fungierte in dessen Vorstellung als Überbringer der Ideen: "Nicht euch wird ein Daimon erkiesen, sondern ihr wählt euch euren Daimon! (...) Des Wählenden ist die Schuld, Gott ist schuldlos!"[1]

Weiters verstanden die Griechen unter Daimon einen Gott ohne Namen, der sowohl Schmerz als auch Lust übertragen konnte. In seiner Funktion als Schicksalsbringer stand der Daimon zwischen den Göttern und den Menschen. Als Medium war er - wie bei Platon - ein Überbringer von Ideen und musste sich auf Erden - vergleichbar einem Avatar - inkarnieren bzw. mediensprachlich in den physischen Körper eines Menschen "einloggen". Wie der Genius wird der Daimon als Schlange dargestellt. Noch im Frühchristentum waren Schutzgeister und Schutzengel im Sinne von Daimones oder Dämonen um das Seelenheil der Menschen bemüht. Erst im Mittelalter wurde Dämon negativ konnotiert und auf die teuflische Bedeutung reduziert.

Einzelnachweise

  1. ↑ Platon, Der Staat, Stuttgart 1982, S. 363/(617e)