Generatio spontanea: Unterschied zwischen den Versionen
Aus Daimon
Jaune (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Jaune (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 16: | Zeile 16: | ||
<ref>Im Lehrbuch der Naturphilosophie beschreibt Oken die Infusorien: "3181. Die niedersten Thiere fangen mit dem Wasser an, das kaum zu Schleim geworden ist; sind nichts als Körner, Bläschen, welche selbstständig umherschwimmen. Urthiere, Infusionsthierchen. | <ref>Im Lehrbuch der Naturphilosophie beschreibt Oken die Infusorien: "3181. Die niedersten Thiere fangen mit dem Wasser an, das kaum zu Schleim geworden ist; sind nichts als Körner, Bläschen, welche selbstständig umherschwimmen. Urthiere, Infusionsthierchen. | ||
3183. Der Samen ist aufgelößte Punctmasse, Nervenmasse. Die | 3182. Die Infusorien entsprechen dem männlichen Samen. Sie sind der Thlersamen des Planeten, das aufgelößte Thier. Tiefer kann die Thlerzeugung nicht anfangen. Der Stein, welcher sich zersetzt in gewässerten Kohlenstoff, kann nichts geringeres werden als ein Punct. Sie sind das thierlsche Keimpulver. Der Pilz ist Wurzel, die unmittelbar in Samen - Pilzstaub — sich auflößt. So sind die Infusorien Hoden, welche sich in Samen aufgelößt haben, flüssige Hoden - Hodenthiere, Samenthiere. | ||
3183. Der Samen ist aufgelößte Punctmasse, Nervenmasse. Die Infusoriei sind empfindende Puncte, Nervenpuncte, welche alle andern Processe in dieser identischen Masse vereiniget haben. Die zerfallene Punctmasse sieht aber in der Bedeutung des Bläschen- oder Zellgewebs. Die Infusorien sind nervöse Zellen. | |||
3184. Nervenzellen müssen in jedem Wasser entstehn, weil jedes Wasser mit der Erde und mit der Luft in Spannung ist, also jene auflößt und diese athmet. Das Wasser selbst ist ein verfaulender und athmender Schleim." | 3184. Nervenzellen müssen in jedem Wasser entstehn, weil jedes Wasser mit der Erde und mit der Luft in Spannung ist, also jene auflößt und diese athmet. Das Wasser selbst ist ein verfaulender und athmender Schleim." | ||
Oken, Lehrbuch der Naturphilosophie, Jena 1831, S. 402.</ref> | Oken, Lehrbuch der Naturphilosophie, Jena 1831, S. 402.</ref> | ||
Version vom 3. November 2008, 11:33 Uhr
Prometheus

Bis weit ins 19. Jahrhundert herrschte in den Naturwissenschaften der Glaube an die Entstehung von Mikroorganismen, Würmern und Insekten aus Schleim, Erde oder verwesendem Abfall. Die Wandlung toter Materie in Leben wurde als „Generatio spontanea“ (spontane Zeugung) oder Abiogenese (Urzeugung) beschrieben und erinnert an die vielfältigen Schöpfungsmythen: Prometheus formte nach Ebenbild der Götter den Menschen aus Lehm; Adam leitet sich von hebräisch „ādāma“ (Erde) ab; im Quran schafft Allah den ersten Menschen, indem er aus Lehm Körper formt und ihnen seinen Geist einhaucht.[1] Selbst vom Menschen geschaffene Wesen wie der Golem (hebräisch: Klumpen, formlose Masse) wurden aus Lehm gestaltet und über sprachliche Codes und geistige Kraft animiert.
Bei den Griechen schlummerte der göttliche Samen im Boden. Das Leben steckte als Keim in der Erde und musste nur in die richtige Form gebracht werden, um zu erwachen. Prometheus imitierte die Form der Götter und wies seinen Figuren gute wie schlechte Eigenschaften von Tieren zu, etwa den Fleiß des Pferdes oder die Schlauheit des Hundes. Athene hauchte schließlich mit ihrem göttlichen Atem den hybriden Wesen Verstand und Vernunft ein. Den zunächst hilflosen, ohne Wissen und Erfahrung ausgestatteten Menschen lehrte Prometheus technische Kunstfertigkeiten (entechnos sophia).
Als Beispiel einer Generatio spontanea galt seit dem Mittelalter das Auftreten von Maden in verwesendem Fleisch. Obgleich Mediziner wie William Harvey (1578 - 1657) und Francesco Redi (1626 - 1697) die Vorstellung einer Generatio spontanea bezweifelten und für das menschliche Auge unsichtbare Keime und Eier vermuteten, entwickelten sich in der Romantik darauf aufbauende Theorien. Die Trennung zwischen Organischem und Anorganischem sowie zwischen Vitalismus und Mechanismus sollte aufgehoben und durch eine ganzheitliche Sichtweise überwunden werden. Die romantische Theorie der Organisation lebender Systeme wollte klären, wie auf der Grundlage einer einheitlichen Schöpfungsordnung Leben "aus jenen gestaltlosen Kräften und Meeren", d.h. aus der Unordnung und dem Chaos hervorgehen können.[2]
Nach Schelling existiert keine "unorganische" Natur, da alles miteinander verbunden ist und sich gegenseitig bedingt. Dieser Auffassung folgend entwickelte Lorenz Oken (1779 - 1851) ein Natursystem, das alle Aspekte des Natürlichen nondualistisch in Beziehung setzte. Auf der Erschaffung der Grundmaterie "Generatio originaria" basiert der zweite Prozess der "Generatio aequivoca", bei dem sich Grundbausteine oder "Infusorien" lösen und zu neuen organischen Komplexitäten verbinden. Das Infusorium dachte Oken als Urbläschen

Frankenstein
Pygmalion

Die ausführlichste antike Schilderung findet sich in Ovids Metamorphosen.
Der Künstler Pygmalion von Zypern ist aufgrund schlechter Erfahrungen mit Frauen, die sich prostituierten, zum Frauenfeind geworden und lebt nur noch für seine Bildhauerei. Ohne bewusst an Frauen zu denken, erschafft er eine Elfenbeinstatue, die wie eine lebendige Frau aussieht. Er behandelt das Abbild immer mehr wie einen echten Menschen und verliebt sich schließlich in seine Kunstfigur. Am Festtag der Aphrodite fleht Pygmalion die Göttin der Liebe an: Zwar traut er sich nicht zu sagen, seine Statue möge zum Menschen werden, doch bittet er darum, seine dereinstige Frau möge so sein wie die Statue. Als er nach Hause zurückkehrt und die Statue wie üblich zu liebkosen beginnt, wird diese langsam lebendig. Aus der Verbindung geht ein Kind namens Paphos hervor.
Agalmatophilie bezeichnet eine starke Zuneigung bzw. sexuelle Präferenz gegenüber (nackten) Statuen. Auch andere unbelebte menschliche Darstellungen wie Gemälde oder (Sex-)Puppen können als Fetisch dienen.
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Sure 38:71, 72 – Sad: „Als dein Herr zu Seinen Engeln sprach: ‚Seht, Ich werde den Menschen aus Ton/Lehm erschaffen, und wenn Ich ihn geformt und ihm von Meinem Geist eingehaucht habe, dann fallt vor ihm nieder!’“
- ↑ Novalis, Die Lehrlinge zu Sais, Berlin 1837, S. 62
- ↑ Im Lehrbuch der Naturphilosophie beschreibt Oken die Infusorien: "3181. Die niedersten Thiere fangen mit dem Wasser an, das kaum zu Schleim geworden ist; sind nichts als Körner, Bläschen, welche selbstständig umherschwimmen. Urthiere, Infusionsthierchen. 3182. Die Infusorien entsprechen dem männlichen Samen. Sie sind der Thlersamen des Planeten, das aufgelößte Thier. Tiefer kann die Thlerzeugung nicht anfangen. Der Stein, welcher sich zersetzt in gewässerten Kohlenstoff, kann nichts geringeres werden als ein Punct. Sie sind das thierlsche Keimpulver. Der Pilz ist Wurzel, die unmittelbar in Samen - Pilzstaub — sich auflößt. So sind die Infusorien Hoden, welche sich in Samen aufgelößt haben, flüssige Hoden - Hodenthiere, Samenthiere. 3183. Der Samen ist aufgelößte Punctmasse, Nervenmasse. Die Infusoriei sind empfindende Puncte, Nervenpuncte, welche alle andern Processe in dieser identischen Masse vereiniget haben. Die zerfallene Punctmasse sieht aber in der Bedeutung des Bläschen- oder Zellgewebs. Die Infusorien sind nervöse Zellen. 3184. Nervenzellen müssen in jedem Wasser entstehn, weil jedes Wasser mit der Erde und mit der Luft in Spannung ist, also jene auflößt und diese athmet. Das Wasser selbst ist ein verfaulender und athmender Schleim." Oken, Lehrbuch der Naturphilosophie, Jena 1831, S. 402.
Weblinks
Jeffrey L. Bada, Antonio Lazcano, Prebiotic Soup - Revisiting the Miller Experiment