Generatio spontanea

Aus Daimon

Prometheus

Prometheus formt den ersten Menschen nach Vorbild der Götter. Piero di Cosimo, Der Mythos des Prometheus, 1515. Öl auf Holz, 68 × 120 cm, Alte Pinakothek München

Bis weit ins 19. Jh. glaubte die Wissenschaft an die Entstehung von Mikroorganismen, Würmern und Insekten aus Schleim, Erde oder Abfall. Die Wandlung toter Materie in Leben wurde als „Urzeugung“ oder „Generatio spontanea“ (spontane Zeugung) beschrieben und erinnert an die vielfältigen Schöpfungsmythen: Prometheus formte nach dem Ebenbild der Götter Figuren aus Lehm; Adam leitet sich von hebräisch „ādāma“ (Erde) ab; im Quran schafft Allah den ersten Menschen, indem er aus Lehm Körper formt und ihnen seinen Geist einhaucht.[1] Selbst vom Menschen geschaffene Wesen wie der Golem (hebräisch: Klumpen, formlose Masse) werden aus Lehm gestaltet und über sprachliche Codes und geistige Kraft animiert.


Prometheus wusste vom göttlichen Samen, der im Boden schlummerte und formte nach dem Ebenbild der Götter Figuren aus Lehm. Er wies ihnen gute wie schlechte Eigenschaften von Tieren zu wie etwa den Fleiß des Pferdes oder die Schlauheit des Hundes. Nachdem Athene mit ihrem göttlichen Atem den hybriden Wesen aus göttlichen und tierischen Eigenschaften Verstand und Vernunft verlieh, lehrte Prometheus den hilflosen Menschen technische Kunstfertigkeiten (entechnos sophia).


Jean-Léon Gérôme, Pygmalion und Galatea, um 1890. Öl auf Leinwand, 87,5 x 68,6 cm. Metropolitan Museum of Art, New York.


Frankenstein

Pygmalion

Die ausführlichste antike Schilderung findet sich in Ovids Metamorphosen.

Der Künstler Pygmalion von Zypern ist aufgrund schlechter Erfahrungen mit Frauen, die sich prostituierten, zum Frauenfeind geworden und lebt nur noch für seine Bildhauerei. Ohne bewusst an Frauen zu denken, erschafft er eine Elfenbeinstatue, die wie eine lebendige Frau aussieht. Er behandelt das Abbild immer mehr wie einen echten Menschen und verliebt sich schließlich in seine Kunstfigur. Am Festtag der Aphrodite fleht Pygmalion die Göttin der Liebe an: Zwar traut er sich nicht zu sagen, seine Statue möge zum Menschen werden, doch bittet er darum, seine dereinstige Frau möge so sein wie die Statue. Als er nach Hause zurückkehrt und die Statue wie üblich zu liebkosen beginnt, wird diese langsam lebendig. Aus der Verbindung geht ein Kind namens Paphos hervor.

Agalmatophilie bezeichnet eine starke Zuneigung bzw. sexuelle Präferenz gegenüber (nackten) Statuen. Auch andere unbelebte menschliche Darstellungen wie Gemälde oder (Sex-)Puppen können als Fetisch dienen.


Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Sure 38:71, 72 – Sad: „Als dein Herr zu Seinen Engeln sprach: ‚Seht, Ich werde den Menschen aus Ton/Lehm erschaffen, und wenn Ich ihn geformt und ihm von Meinem Geist eingehaucht habe, dann fallt vor ihm nieder!’“
Prometheusdarstellung auf dem Titel des Erstdruckes von Friedrich Nietzsches Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, Leipzig 1872.