Lumen

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Camille Flammarion, Lumen, Paris o.J. (1887), Illustration von Lucien Rudaux, Premier récit, p.1.

Der französische Astronom Camille Flammarion (1842–1925) veröffentlichte 1867 die Erzählung Lumen, récit d'outre terre. Lumen ist der Geist eines Verstorbenen, der dem neugierigen Astronomen Qærens Fragen über Raum und Zeit beantwortet. Nach seinem Tod wurde Lumen auf einen 72 Lichtjahre entfernten Planeten des Sterns Capella versetzt. Von dort aus konnte er dank seines überirdischen Sehvermögens in die Vergangenheit schauen und das Geschehen auf der Erde vom Zeitpunkt seiner Geburt beobachten. Flammarion verarbeitet eine Fiktion von Felix Eberty (1812–1884), in der Bewohner von anderen Planeten mit Fernrohren auf die Erde blicken und "jeden vergangenen Moment aus der Geschichte noch einmal sinnlich und im wahren und teuersten Bilde vor das sinnliche Auge zu rufen" vermögen.[1] Das Hellsehen der Zukunft bleibt zwar kosmische Utopie eines Laplace'schen Dämons, aber der Blick in die verdunkelte Vergangenheit wäre nach Eberty möglich, sofern Menschen in beliebig kurzer Zeit zu anderen Planeten reisen könnten. Das reflektierte Licht wird zu einem Archiv, in dem unzählige Bilder chronologisch geordnet auf ihre Betrachtung warten. Könnten Richter das Lichtbildarchiv nutzen, hätte sie einen juristischen Dämon zur Verfügung, der jeden Mord zur Aufklärung bringt: "Wie ein ewig unverwüstliches und unbestechliches Archiv, dessen Inhalt lauterste, unmittelbarste Wahrheit ist, umschliesst so der Weltenraum die Bilder des Vergangenen. (...) Die Bilder aller geheimen Thaten, die geschahen, leben unauslöschlich und unvertilgbar von Ewigkeit zu Ewigkeit und von Sonnenferne zu Sonnenferne weiter. – Nicht nur auf den Dielen des Zimmers lässt die Mordthat ihre unauslöschlichen Blutspuren zurück, – auch in den Räumen des Himmels spiegelt die That sich weiter und weiter ."[2]

Einzelnachweise

  1. Felix Eberty, Die Gestirne und die Weltgeschichte. Gedanken über Raum, Zeit und Ewigkeit, anonym veröffentlicht, Breslau 1847, S. 19–20.
  2. Ebenda, S. 20.

Literatur

Karl Clausberg, Zwischen den Sternen: Lichtbildarchive, Berlin 2006.