Laplace'scher Dämon

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Frontispiz der gesammelten Schriften von Laplace, Paris 1828.

Im Vorwort des Essai philosophique sur les probabilités (1814) entwirft der französische Mathematiker und Astronom Pierre-Simon de Laplace (1749 – 1827) einen Dämon in Form einer künstlichen Intelligenz („une intelligence“). Laplace ging von der Vorstellung aus, dass dieser Dämon unter Kenntnis sämtlicher Naturgesetze und Initialbedingungen wie Lage, Position und Geschwindigkeit aller im Kosmos vorhandenen physikalischen Teilchen vergangene und zukünftige Zustände berechnen und determinieren könnte: "Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennte, mit denen die Welt begabt ist, und die gegenwärtige Lage der Gebilde, die sie zusammensetzen, und die überdies umfassend genug wäre, diese Kenntnisse der Analyse zu unterwerfen, würde in der gleichen Formel die Bewegungen der größten Himmelskörper und die des leichtesten Atoms einbegreifen. Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen". [1] Die Naturphilosophie, die in der Himmelsmechanik ihr Vorbild besitzt, beruht demnach auf einen Gesetzesdeterminismus, der von einem Dämon durch die Integration von Differentialgleichungen kalkulierbar ist. Dass derartige Rechenoperationen selbst für ein fiktives Wesen undurchführbar sind, war sich Laplace bewusst, der bereits sehr kleine und sehr große Massen im Weltraum vermutete, die sich der Messung entziehen. Mit der Entwicklung der Quantenmechanik in den 1920er Jahren und der vom deutschen Physiker Werner Heisenberg formulierten Unschärferelation wurde der Determinismus eines beliebig genauen Wissens um „alle Kräfte, mit denen die Welt begabt ist“ aus der Physik verdrängt.


Einzelnachweise

  1. Pierre Simon de Laplace, Philosophischer Versuch über die Wahrscheinlichkeit, Frankfurt a. Main 1996.