Warburg, Aby

Aus Daimon

Wechseln zu: Navigation, Suche

Maria L. Felixmüller

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Aby M. Warburg 1912

Abraham Moritz Warburg, (* 13. Juni 1866 in Hamburg; † 26. Oktober 1929 ebd.), ältester Sohn einer jüdischen Bankiersfamilie in Hamburg, war ein deutscher Kunsthistoriker, Kulturwissenschaftler und der Begründer der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg. Sein Schaffen widmete sich dem Nachleben der Antike in der Renaissance. Als Werkzeug entwickelte er dazu die Ikonographie, die sich den einzelnen Aspekten eines Werkes aus verschiedenen wissenschaftlichen Richtungen im Detail näherte, um erst in der Summe der Interpretationen zu einer Gesamtbetrachtung zu gelangen. Auf einer 1895–96 stattfindenden Amerika-Reise war es ihm noch möglich Rituale der Hopi-Indianer beizuwohnen. Die Beobachtungen hatten großen Einfluss auf seine gesamte Arbeit. 1918–1924 war Warburg auf Grund einer manisch-depressiven Psychose in Hamburg, Jena und in Kreuzlingen bei Dr. Binswanger in Behandlung.

Warburg hatte sich erst in privatem Rahmen eine Bibliothek angelegt, die ab 1926 institutionalisiert und 1933 nach Großbritannien übergesiedelt, bis heute ihres gleichen sucht. Diese erste Kulturwissenschaftliche Bibliothek zeichnet sich durch eine interdisziplinäre Erwerbsstruktur, sowie eine einzigartig assoziative Aufstellung aus. Die Aufstellung nahm in hohen Anteilen die Facettenklassifikation vorweg, die heute digitale Inhalte auf vielen Websites strukturiert.[1] Zusätzlich führte Warburg zeitlebens einen Zettelkasten, der für ihn ausschlaggebendes Instrument in der Bestimmung von Buchneuanschaffungen, Bibliothekssystematisierung und eigener Themenfindung darstellte. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich dem Vorhaben des Bildatlas Mnemosyne, Bilderreihe zur Untersuchung der Funktion vorgeprägter antiker Ausdruckswerte bei der Darstellung bewegten Lebens in der Kunst der europäischen Renaissance. Dafür wurde auf Tafeln Bilder in Kombination zueinander gesetzt und abfotografiert. Die Tafeln sollten ohne zusätzliche Worte die antiken Ausdruckswerte bei der Darstellung bewegten Lebens ausdrücken. Das Werk blieb unvollendet, wurde jedoch 2003 posthum veröffentlicht[2], ohne den Anspruch zu erheben ganz im Sinne des ursprünglichen Autors zu sein. Begraben liegt Aby M. Warburg in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Repräsentatives Werk: Heidnisch-antike Weissagung in Wort und Bild zu Luthers Zeiten (1920)

Aby Warburg arbeitete während der Jahre des 1. Weltkrieges an dem Text, der 1920 unter dem Titel Heidnisch-Antike Weissagung in Wort und Bild zu Luthers Zeiten in Heidelberg erschien. Entwickelt aus zwei Vorträgen, die er 1917 und 1918 gehalten hatte, arbeitete er gemeinsam unter höchster Anstrengung noch nach Ausbruch seiner Krankheit gemeinsam mit Fritz Saxl, seinem Assistent, an dem Text bis zur Veröffentlichung. Als zentrale Studie über die intellektuelle Szene der Frührenaissance ist der Text bis heute eine der vollständigsten und erkenntnisreichsten Darstellungen[3] der Verknüpfungen dämonisch-mathematischen Denkens dieser Zeit.

An dem Text zeigt sich exemplarisch die kulturwissenschaftliche Methode Warburgs und wird deutlich, wie die olympische-ästhetische Antike der dämonischen abgerungen werden musste.[4] Die Hauptleistung des Luther-Textes ist die schlüssige Darstellung der Entwicklung des mythisch-fürchtenden Dämonenglaubens in wissenschaftlich-rechnend humanistisches Denken. Warburgs vorangegangenen Entdeckungen, wie die Pathosformel - den bewegten Ausdrucksformen der Antike - sowie die Wanderstraße der Symbole, wurden durch den Luther-Text um den Aspekt der aviatisch-dynamischen Entwicklung von Information durch Buchpresse bzw. Bilddruckkunst[5] in der Frührenaissance erweitert.

Ausgehend von der bewussten astrologischen Verschiebung des Geburtsjahres Luthers, welche intellektuelle Zeitgenossen sowohl für als auch gegen die reformatorische Bewegung befürworteten, über den Bilderpressefeldzug der Reformationszeit, zeigt Warburg abschließend an Albrecht Dürers Stichen die Entwicklung des von dämonischen Denken befreiten Humanismus. In dieser Entwicklung bezieht sich Warburg auf ein Quellen-, Figuren- und Verknüpfungsreichtum seiner kulturwissenschaftlichen Methode entsprechend. Scheinbar unbeabsichtigt zeigt er jedoch an der zur Reformationszeit dynamisierten Bilderbewegung starke Parallelen zu seinem Zeitgeschehen, dem 1. Weltkrieg, auf.

Astrologische Verschiebung des Geburtsjahres Luthers (1483/1484)

Das Umfeld Luthers, im Für und Wider, war von in einem „Zwiespalt zwischen humanistischer Intellektualität und theologisch-politischem Reformationswillen“[6] geprägt. Die Antike gehörte mit ihren kosmischen Dämonen in Gestalt von Sternbildern, die die Jahre, Monate, Tage, Stunden einteilten, zum Alltag des christlichen Europas. Die Doppelmacht der Augenblicksgötter, wie Warburg sie nannte, entstand aus den gegensätzlichen Konnotationen: einerseits teilten sie Raum und Zeit im mathematischen Sinn, andererseits transportieren sie als Sternbilder ihre dämonisch-göttliche Mythologie gleich mit in die Köpfe der Intellektuellen. Die Astrologie vereinheitlicht diese Doppelmacht.

Die zwei Mönche, Johann Lichtenberg, Weissagung, 1492

Die „Logik, die den Denkraum – zwischen Mensch und Objekt – durch begrifflich sondernde Bezeichnung schafft und Magie, die eben diesen Denkraum durch abergläubische zusammenziehende – ideelle oder praktische – Verknüpfung von Mensch und Objekt wieder zerstört.“[7]

Entgegen Luthers tiefer Abneigung gegenüber der Astrologie, ihren Wahrsagungen und vermeintlichen Einflüssen, befürworteten seine Unterstützer die Verschiebung seines Geburtsjahres von 1483 auf 1484 für ein kosmologisch vorteilhafteres Horoskop. Es gab für das Jahr 1484 eine Prophezeiung, die ankündigte, dass in dem Zusammentreffen vieler Planeten ein „kleiner Mönch“ geboren und die Eigenschaften eines religiösen Umgestalters haben würde.[8] Auch wenn Luther sich gegen diese Prophezeiungen wehrte, haben Biographen es somit mit zwei kalendarischen Wahrheiten zu tun, einer historischen und einer mythischen, die entweder den christlichen Hlg. Martin oder die zwei heidnischen Planetendämonen Saturn und Jupiter auf Luthers Schultern setzen.


Der Glaube der Machtstellung der Planetengötter hatte im System spätmittelalterlicher Weltvorstellung noch einen einnehmenden Platz. Dies lag vor allem darin begründet, dass die Methode abstrahierender Denkkraft, die Mathematik, gleichzeitig in der Astrologie, die primitivste Form religiöser Verursachung und Dämonenfurcht beinhaltet war. Die mittelalterlichen Kalenderblätter sind bildhafte Zeichen dafür, wie stark die gefürchtete dämonische Beeinflussung der Sternengötter war.[9] Die Eigenschaften der mythischen Dämonen wurden in Bildern dieser mittelalterlichen Kalenderblätter lebendig.[10] Luther, als unter dem Saturn geborener erwartete demnach ein trübsinnig, unfreudiges Leben und hatte ein widerwärtiges Temperament. Der Jupiter, als geistig, gelehrter Augenblicksgott konnte zu einem ausgleichenden Gegenüber des Saturns verrechnet werden.[11] Je nach Ausrichtung des Reformationslagers konnten so Eigenschaften in einem Horoskop hinzu oder weg gerechnet werden und trotz logischer Mathematikin dem Glauben, dass die Sternengötter kosmologisch-dämonisch ihre Wirkung tun würden.

Bilderpressefeldzug der Reformationszeit

Albrecht Dürer, Die Sau von Landser, 1496

Diese in Schrift und Bild niedergeschrieben Ergebnisse wurden zu einem Agitationsmittel zur Beeinflussung der Ungelehrten.[12] Die Entwicklung von Gegenbildern bezeichnet Warburg als erste „illustrierte[n] Sensationspresse“.[13] Die Politik Europas teilte eine Furcht vor den Naturwundern am Himmel, jede Partei nahm diese Furcht in ihren Dienst und wurde von in Wort und Bild verbreiteten Wahrsagungen unterstützt.[14] Die Sterndämonen offenbarten sich als anthropomorph, da sie als tatsächliche Gewalten empfunden wurden.[15] Die auf Flugblättern aviatisch gewordenen „Schlagbilder“[16] wurden je nach Gebrauchszweck neu interpretiert und kontextualisiert. Die Bildwelt war für jeden verständlich. So zeigt Warburg wie dämonisch-mythische Bildmotive von Italien nach Deutschland wandern. Das achtfüßige Schwein Dürers z.B. ist bis auf eine Beschreibung und Zeichnung aus der Mitte des 7. Jahrhunderts zurückzuführen und hält sich über Jahrhunderte als beliebter Bild- und Wahrsagegegenstand.[17]

Dürers Melancholia I.

Albrecht Dürer, Melencolia I, 1514

Werke arabischer und italienischer Astrologen gehörten zu den ersten Drucken der Augsburger Buchpresse, so entwickelt sich ein Neben- und Ineinander zwei verschiedener Antikenkonzepte, einerseits ein uralt religiös-praktisches und andererseits ein künstlerisch-ästhetisches.[18] Gerade an den Stichen Dürers zeigt sich, dass das naturwissenschaftliche Interessen an den Erscheinungen mehr in den Vordergrund tritt. So verzichtet Dürer bewusst auf einen Titel, eine mögliche Prophezeiung oder den Sichtungsort bei der Darstellung des achtbeinigen Schweins.[19]

Konkreteres entdeckt Warburg an dem berühmten Stich Melancholia I. aus dem Jahr 1514 und kehrt damit zurück zu der den Text umgreifenden These der Entwicklung des wissenschaftlich-mathematischen Denkens aus der Überwindung der mythischen Dämonenfurcht. Die Melancholie, als Eigenschaft eines unter dem Saturn geborenen, wird von antiken Ärzten mit einem gemischten Verfahren seelisch, wissenschaftlich-medizinisch und magisch behandelt. Medizinisch muss die schwarze Galle behandelt und seelisch der unfruchtbare Trübsinn in menschliches Genie umgestaltet werden. Dies würde durch innere geistige Konzentration gelingen. Magisch kann geholfen werden, wenn man nicht unter dem Jupiter geboren wurde, indem die günstige Konjunktur durch ein Bild des Jupiters[20] dargestellt wird. Dieses magische Bild kann auch das Zahlenquadrat des Jupiters sein und findet sich in dem Dürer Stich in dem rechten oberen Viertel.

Anhand dieses Zahlenquadrats zeigt Warburg, wie wesentlich die spätantike astrologisch-magische Praktik, Astrologie und die Mathematik von Vertretern arabischer Überlieferungen beeinflusst waren. So wird in der Handschrift Picatrix, die einen arabischen Text aus dem 10. Jahrhundert übersetzte, die Möglichkeit aufgeführt, dass antike Figuren-Bilder durch die jeweiligen Zahlentafeln ersetzt werden können ohne ihre Wirkung einzubüßen. Die Zahlenmagie, gehört demnach zu der uralten Praxis heidnischer Heiler und ihrer, durch die Araber überlieferten Heilmagie.[21] Das Bild des Augenblickgottes wird durch ein mathematisches Zahlenquadrat ersetzt und damit in seinen dämonisch-mythischen Eigenschaften durch die mathematische Wissenschaft gebannt. Dürers Melancholia I. wird dadurch zu einem humanistischen Trostblatt:

„Aus dem kinderfressenden, finsteren Planetendämon, von dessen Kampf im Kosmos mit einem anderen Planetenregenten das Schicksal der bescheidenen Kreatur abhängt, wird bei Dürer durch humanisierende Metamorphose die plastische Verkörperung des denkenden Arbeitsmenschen.“[22]

Private Folge aus dem Luther-Text - Warburgs Kampf mit den eigenen Dämonen

Als sich der 1. Weltkrieg abzeichnete, erfasste Warburg wie ein Seismograph[23] die den Krieg andeutenden Tendenzen in der Gesellschaft und sah es als seinen patriotischen Beitrag eine Kriegskartei anzulegen. Während Warburg einerseits die Reformationszeit untersuchte in deren Mittelpunkt Luther und die christliche Dämonenfurcht standen[24], arbeitete er täglich daran. Aus acht bis neun internationalen Tageszeitungen wurde jeder nur im Ansatz mit den politischen Ereignissen stehende Hinweis ausgeschnitten, aufgeklebt, über eine Signatur mit vorhandenen Einträgen verknüpft und in die Kartei eingefügt. Die Mitarbeiter der Bibliothek, Freunde, Verwandte und sogar seine Kinder wurden in die mehr und mehr ausufernde Arbeit mit einbezogen.[25] Der Arbeitsraum, der der Arbeit an der Kriegskartei vorbehalten war, ähnelte einem privaten Schlachtfeld.[26] An Schlaf war kaum noch zu denken, es häuften sich Zusammenbrüche aus Erschöpfung und als der Krieg zu Ende ging, kam der endgültige körperliche und geistige Zusammenbruch. Warburgs Krankheit hielt von 1918–1924 an.

Die Kartei fasste mit Ende des Krieges über 50.000 Karten und war sachlich geordnet um die inneren und äußeren politischen Ereignisse in eine Geschichte des Krieges zu ordnen. Sie besaß nie den Anspruch auf Vollständigkeit, stellte jedoch etwas selten Einheitliches dar, weil eben eine Person den Text jedes einzelnen Beitrags in der Kartei vorab festgelegt hatte.[27] Um so bedauerlicher ist es, dass sie bei der Übersiedlung der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek 1933 nach England zurückgelassen und 1943 bei einem Brand zerstört wurde.[28]

Da sich Warburg zeit seines Lebens mit der Zweipoligkeit des menschlichen Gemüts beschäftigte und für ihn das mythisch-fürchtende mit dem wissenschaftlich-rechnenden Denken in einer ständigen Wechselwirkung zueinanderstand, stellte sich ihm die wesentliche Frage nach der „Umwandlung von Dämonenfurcht in symbolisches Denken“.[29] Diese Dämonenfurcht war es, die ihn in seinem wissenschaftlichen Vorhaben des Luther-Textes in Kombination mit der angelegten Kriegskartei, in der alle Aspekte des 1. Weltkriegs festgehalten waren zu viel wurde.

Sicherlich ist es der Mitarbeit Fritz Saxls zu verdanken, dass sich die manische Arbeit an der Kriegskartei und die sich andeutende Krankheit nicht in dem Luther-Text niedergeschlagen hat. Es finden sich trotzdem Anzeichen für die parallelen Auseinandersetzungsfelder. Wenn Warburg über die aviatischen Bilderbewegungen während der Reformationszeit schreibt, fällt die moderne Wortwahl auf. Die illustrierte Sensationspresse, die als Agitationsmittel benutzt wird; die Tagespresse, die dafür in den Dienst genommen wurde; Weissagungsflugschriften, deren Sprache international verständlich zwischen Norden und Süden hin und her jagen, sind Sprachbilder, mit denen Warburg sich täglich auseinandersetzte, wenn er die internationale Tagespresse für die Kriegskartei befragte. Ebenso hatte der Luther-Text Auswirkungen auf die Arbeit an der Kriegskartei. Hatte sich in der Arbeit an dem Luther-Text gezeigt, dass es möglich ist, gesellschaftliche Vorgänge inhaltlich schlüssig so zu verknüpfen, dass sie als logische kulturelle Folge erschienen, musste dies auch in seiner Gegenwart möglich sein.

Der Laplace'sche Dämon ist eine „Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennen würde, mit denen die Welt begabt ist, und die gegenwärtige Lage der Gebilde die sie zusammensetzen, und die überdies umfassend genug wäre, diese Kenntnisse der Analyse zu unterwerfen“.[30] Betrachtet man diese Definition, dann erscheint das Vorhaben der Kriegskartei als Spiegelbild dieser von Laplace theoretisch entwickelten Intelligenz.

Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek ist Ausdruck von Warburgs Fähigkeit sich in komplexe Vorgänge und Systeme einzudenken. Der Versuch über die politischen Ereignisse Kontrolle zu bekommen, vermischte sich in seiner Gedankenwelt entsprechend, mit den ureigenen Angst vor Krieg und Verderben, die ihm auch durch die Arbeit mit den Holzschnitten der Reformationszeit vor Augen stand. Warburg hatte seit seiner Kindheit eine labile körperliche Konstitution und er selber hatte den Ausbruch einer geistigen Krankheit immer befürchtet. Der menschliche Geist kann nur ein unbestimmtes Maß an Informationen verarbeiten: Ein ausbrechender Krieg mit all seinen ihn bedingenden Aspekten kann auch nicht mit der Hilfe eines Zettelkastens erfasst werden. Wenn an dem Glauben, ein derartiges Ereignis mit all seinen Bedingungen geistig unter Kontrolle zu kriegen zwanghaft festgehalten wird, erstaunt es nicht, dass es zu einer Überreizung der Gedankenmaschine[31] führt.

Die zwei großen Themenkomplexe seiner wissenschaftlichen Arbeit, die Pathosformel als Ausdruck der Leidenschaften und die Pendelbewegungen zwischen dem mythisch-dämonischen und dem wissenschaftlich-rechnenden Denken, übernahmen seine Gedankenwelt jenseits der Wissenschaft. Die Reflexion wurde zum phobischen Reflex und drückten sich in Zwangshandlungen und Wahnvorstellungen aus. Es ist ein kleines Wunder, dass Warburg aus eigener Kraft aus dem Tal seiner Dämonen zurückkehrte, nicht ohne zu vergessen, was er diesem anstrengenden Ausflug zu verdanken hatte: Die erfahrene Erkenntnis der Pendelbewegungen zwischen dem mythisch-dämonischen und dem wissenschaftlich-rechnenden Denken, die kulturprägend ist.

„...wie in neueren Zeiten abermals geschieht, die Mathematik aus der Vernunft- und Verstandesregion, wo ihr Sitz ist, in die Region der Phantasie und Sinnlichkeit herüberzieht. Dunklen Zeiten sind solche Mißgriffe nachzusehen; sie gehören mit zum Charakter. Denn eigentlich ergreift der Aberglaube nur falsche Mittel, um ein wahres Bedürfnis zu befriedigen.“(Johann Wolfgang Goethe, Materialien zur Geschichte der Farbenlehre, Roger Bacon. Cottasche Jub. Ausg. Bd. 40. S. 165)[32]


Maria L. Felixmüller

Einzelnachweise

  1. Vgl. D. Schatz, Das Bibliothekskonzept Aby M. Warburgs im Vergleich mit modernen Methoden der Sacherschließung.
  2. A. Warburg, Aby Warburg - Gesammelte Schriften - Studienausgabe: Der Bilderatlas MNEMOSYNE: II 1.2, Hrsg. von M. Warnke 2012.
  3. Anthony Gray In Sigrid Weigel/Martin Treml/Perdita Ladwig (Hrsg.), Aby Warburg Werke in einem Band, Frankfurt a. Main. 2013, S. 413.
  4. „Die klassisch-veredlte, antike Götterwelt, ... mußte ja erst der alterhergebrachten dämonischen abgerungen werden.“ Aby Warburg, Heidnisch-antike Weissagung und Wort und Bild zu Luthers Zeiten (1920), In Sigrid Weigel/Martin Treml/Perdita Ladwig (Hrsg.), Aby Warburg Werke in einem Band, Frankfurt a. Main. 2013, S. 426.
  5. Aby Warburg, Heidnisch-antike Weissagung und Wort und Bild zu Luthers Zeiten (1920).
  6. Ebd. S. 429.
  7. Ebd. S. 427.
  8. Ebd. S. 442.
  9. Ebd. S. 446–447.
  10. Ebd. S. 449.
  11. Ebd. S. 450.
  12. Ebd. S. 453.
  13. Ebd. S. 543.
  14. Ebd. S. 472.
  15. Ebd. S. 453
  16. Ebd. S. 456.
  17. Ebd. S. 471–473.
  18. Ebd. S. 428.
  19. Ebd. S. 473.
  20. Ebd. S. 474.
  21. Ebd. S. 476.
  22. Ebd.
  23. C.G. Heise, Persönliche Erinnerungen an Aby Warburg, Wiesbaden 2005, S. 56.
  24. E.H. Gombrich, Aby Warburg. Eine intellektuelle Biografie, übers. von M. Fienbrock, Hamburg 2012, S. 401.
  25. Ebd. S. 400.
  26. Heise, Persönliche Erinnerungen an Aby Warburg, S. 57.
  27. Vgl. T. Stockhausen, Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg: Architektur, Einrichtung und Organisation, Hamburg 1. Aufl.1992, S. 20–21..
  28. Heise, Persönliche Erinnerungen an Aby Warburg, S. 59.
  29. H. Bredekamp, Du lebst und thust mir nichts, In: M. Diers u. a. (Hrsg.), Aby Warburg: Akten des internationalen Symposions, Hamburg 1990, S. 1.
  30. L.A. Smith, Chaos, Stuttgart 2010, S. 16.
  31. Heise, Persönliche Erinnerungen an Aby Warburg, S. 63.
  32. Aby Warburg, Heidnisch-antike Weissagung und Wort und Bild zu Luthers Zeiten (1920), S. 485–486.

Weblinks