Genius: Unterschied zwischen den Versionen

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Später wurden der Genius wie in der christlichen Tradition als Schutzgeist oder Schutzengel angesehen, der über das persönliche Schicksal, die Familie, das Haus oder einen bestimmten Ort wacht. Diesbezüglich glaubte man, dass ein Genius auch öffentlichen Einrichtungen oder dem Staat innewohnt. Der Ausdruck [[Genius loci]] bezieht sich auf den Schutzgeist eines bestimmten Ortes und verkörpert die an einen bestimmten Ort gebundenen Kräfte. In der Antike stellte man Genien zunächst als Schlangen oder als bärtige gepanzerte Männer mit Füllhorn und Zepter dar, später meist als geflügelte Lichtgestalten, die u. a. als Träger von Porträtmedaillons und Inschriftentafeln dienten, beispielsweise auf Konsulardiptychen. Bei Objekten aus dem Spätmittelalter sind Genien vor allem auf Schatullen aus der Embriachi-Werkstatt zu finden.
Später wurden der Genius wie in der christlichen Tradition als Schutzgeist oder Schutzengel angesehen, der über das persönliche Schicksal, die Familie, das Haus oder einen bestimmten Ort wacht. Diesbezüglich glaubte man, dass ein Genius auch öffentlichen Einrichtungen oder dem Staat innewohnt. Der Ausdruck [[Genius loci]] bezieht sich auf den Schutzgeist eines bestimmten Ortes und verkörpert die an einen bestimmten Ort gebundenen Kräfte. In der Antike stellte man Genien zunächst als Schlangen oder als bärtige gepanzerte Männer mit Füllhorn und Zepter dar, später meist als geflügelte Lichtgestalten, die u. a. als Träger von Porträtmedaillons und Inschriftentafeln dienten, beispielsweise auf Konsulardiptychen. Bei Objekten aus dem Spätmittelalter sind Genien vor allem auf Schatullen aus der Embriachi-Werkstatt zu finden.


 
== Literatur ==
 
H. Kunckel, ''Der römische Genius'', Heidelberg 1974.
Literatur:
H. Kunckel, Der römische Genius, Heidelberg 1974.

Version vom 5. November 2007, 16:10 Uhr

Genius der im Kastell Niederbieber stationierten Truppen, 239 n. Chr.

Der Genius (lat. "Erzeuger", "derjenige/dasjenige der/das (er)zeugt, vom Verb "genere" bzw. "gignere" (zeugen, erzeugen) abgeleitet) personifiziert im römischen Glauben die dem Menschen innewohnende zeugende Kraft. Durch den Genius entsteht das Individuelle einer Person, indem er ihre Triebe und ihren Charakter bestimmt. Er formt die Persönlichkeit, schenkt die Kraft zur Zeugung von Nachkommen und fungiert als inneres Wirkungsprinzip vergleichbar dem Sokratischen Dämon. Wie der Daimon steuert der Genius das Schicksal und vermittelt zwischen den Göttern und den Menschen. Vergleichbar einem Schutzengel wacht er von der Geburt bis zum Tod über den Sterblichen und führt ihn durchs Leben. Während der Daimon bei den Griechen neutral und zum Teil negativ besetzt war, da er für die Kontingenz, d.h. für unbestimmte, unkonntrollierbare und unberechnbare Möglichkeiten stand, überwiegt bei den Römern das beschützende und leitende Prinzip, das den Menschen glücklich macht. Wer auf seinen Genius hört, strebt der Glückseligkeit und dem Erfolg entgegen. Einen unbeschädigten Genius ("genius indemnatus") zu besitzen, beduetet mit sich im Reinen zu sein und seinem Lebensinstinkt zu folgen. Bei den Römern hieß dies, gut zu trinken, ausgiebig zu speisen und großzügig zu sein, denn nur auf diese Weise konnte dem Genius gehuldigt werden ("indulget genio"). Ein puritanische Lebensweise mießfiel und man lief Gefahr den Genius mißzustimmen ("genio sinistro"). Ursprünglich fungierte der Genius für Mann und Frau, später nur noch für Männer, wo er als Medium und Schnittstelle zu Jupiter angesehen wurde. Während die Männer bei Jupiter schwuren und sich über ihren Genius mit ihm verbanden, opferten die Frauen der Göttin Juno als Inbegriff der Gebärkraft. Besonders an Geburtstagen brachte man dem Genius Speise- und Räucheropfer. Der Genius wurde weiters beim Eid als Schwurzeuge angerufen und die Schwurhand dabei zum Bezeugen der Wahrheit an die Genitalien gelegt.

Philipp Otto Runge, Die Genien auf der Lichtlilie, Bleistift und Kreide auf Papier, 1810

Später wurden der Genius wie in der christlichen Tradition als Schutzgeist oder Schutzengel angesehen, der über das persönliche Schicksal, die Familie, das Haus oder einen bestimmten Ort wacht. Diesbezüglich glaubte man, dass ein Genius auch öffentlichen Einrichtungen oder dem Staat innewohnt. Der Ausdruck Genius loci bezieht sich auf den Schutzgeist eines bestimmten Ortes und verkörpert die an einen bestimmten Ort gebundenen Kräfte. In der Antike stellte man Genien zunächst als Schlangen oder als bärtige gepanzerte Männer mit Füllhorn und Zepter dar, später meist als geflügelte Lichtgestalten, die u. a. als Träger von Porträtmedaillons und Inschriftentafeln dienten, beispielsweise auf Konsulardiptychen. Bei Objekten aus dem Spätmittelalter sind Genien vor allem auf Schatullen aus der Embriachi-Werkstatt zu finden.

Literatur

H. Kunckel, Der römische Genius, Heidelberg 1974.