Masse
Aus Daimon


Eine Menschenmenge kann nach Cicero als „natürliche Geselligkeit des Menschen“ und Ursprung der Gesellschaft oder wie bei Shakespeare als „monster of the multitude“ beschrieben werden. In der Masse findet der Mensch als soziales Wesen zu sich selbst oder seine Individualität löst sich in einem monströsen Leviathan auf.
Als Elias Canetti im Wien der 1930er Jahre ein Zimmer nahe dem Rapid-Stadion bezog, drangen die Schreie der Fußballfans durch das Fenster und inspirierten ihn zu seinem späteren Hauptwerk „Masse und Macht“. Anschwellende Menschenansammlungen, wie jene die ins Fußballstadion drängen, haben für Canetti eine inflationäre Wirkung: „Eine Inflation ist ein Massen-Vorgang im eigentlichsten und engsten Sinne des Wortes. (...) In diesem Vorgang findet sich jene Eigenschaft der psychologischen Masse wieder, die ich als besonders wichtig und auffallend bezeichnet habe: die Lust am rapiden und unbegrenzten Wachstum.“[1] Vergleichbar der Inflation des Geldes kommt es zu einer Abwertung der Person. Die Masse will immer weiter und unbegrenzt wachsen und sie liebt die Dichte, in der Menschen ihre Berührungsängste ablegen und sich ein Gefühl der Gleichheit einstellt.
Einzelnachweise
- ↑ Elias Canetti, Masse und Macht, Frankfurt am Main 2003, S. 214 ff.