Algorithmus
Aus Daimon

Ein Algorithmus besteht aus einer endlichen Menge von Regeln und fungiert als eine Handlungsanweisung, Vorschrift oder Programm zur Lösung eines Problems. Im Alltag finden sich Algorithmen als Kochrezepte, Bedienungs- und Bauanleitungen oder als Programme für Maschinen aller Art. Das Wort Algorithmus geht vermutlich auf eine Abwandlung des Namens des persischen Mathematikers Muhammed Al Chwarizmi (ca. 783 - ca. 850) zurück.
Gebrauchsanweisung

Als Gebrauchsanweisungen dienen Algorithmen der Vermittlung von Information, um ein Produkt zu benutzen oder hervorzubringen. Die Informationsübertragung kann durch Befehle, textuelle Beschreibungen, Symbole, Pläne oder Illustrationen erfolgen.
Ein Beispiel für eine Gebrauchsanweisung, die selbstreferentiell die Anleitungen auf sich selbst bzw. den materiellen Träger der Information anwendet, stellen Schnittbögen für Papiermodelle dar: Die auf einem Blatt Papier gedruckte Information wird zur Anweisung für eine Handlung, die das Papier faltet und zu einem dreidimensionalen Gegenstand transformiert.
Kunst
In der Kunst finden sich Algorithmen als Notenblätter und Rezepturen, aber auch als Algorithmen-Vorräte oder Bibliotheken im Sinne von kunsthistorischen Epochen- und Gruppenprogrammen, als Maniera oder Stil sowie im eingeschränkten Maße als avantgardistisches Manifest.
Ein Algorithmus zum Schreiben von Texten kann beispielsweise den Gebrauch des alphanumerischen Codes reglementieren, indem beispielsweise keine Worte mit dem Buchstaben R oder E gebraucht werden dürfen. Derartige Algorithmen finden sich in der Literaturgeschichte bei spanischen Autoren des 17. Jh., die in ihren Gedichten einen Vokal oder Konsonant ausließen. 1788 verfasste Gottlob Wilhelm Burmann 130 Gedichte ohne den Buchstaben R. Im 20. Jh. schrieben Ernest V. Wright den Roman Gadsby und H.R.V. Holland Eve’s Legend ohne den Selbstlaut E.
Seit Modernismus, im speziellen Dadaismus rücken Handlungsanweisungen gegenüber dem eigentlichen Werk in den Vordergrund. Das Konzept, die Software bzw. der Algorithmus eines Kunstwerkes werden wichtiger als die Virtuosität und der Materialfetischismus der Ausführung. Ab den 1960er Jahren entdecken Fluxus-Künstler Handlungsanweisungen als eigenständiges Medium. In aktueller Gegenwartskunst finden sich zahlreiche Tendenzen, die bewusst oder unbewusst an diese Traditionen anknüpfen.
Kataloge:
George Brecht and Robert Filliou, Games at the Cedilla, or the Cedilla Takes Off, New York 1967.
Bruce McLean, King for a Day and 999 other pieces/ works/ things/ etc., London
Computer
Computerprogramme, die in System- und Anwenderprogramme unterteilt werden, basieren auf Algorithmen, die in Programmiersprachen formalisiert sind. Computerprogramme sind akkurate Beschreibungen von Algorithmen.