Dämon

Aus Daimon

Bedeutung und Etymologie

Dämon leitet sich vom griechischen

Dämon steht in der landläufigen Bedeutung für einen "(bösen) Geist" mit übermenschlichen Kräften oder ein mediales Übergangswesen, das zwischen Gott und Mensch verkehrt. Ende des 16. Jh. und erneut im 18. Jh. wurde Dämon im Sinne von "Teufel" aus dem Lateinischen von daemon (böser Geist, Teufel) entlehnt. Das lateinische Wort wurde wiederum aus dem Griechischen von "daimonas" (das übernatürliche Wesen) beziehungsweise von daimon (griech. δαίμων (niedere) Gottheit, Geistwesen, Schutzgeist, Schutzengel, göttliche Macht, Gott, Geschick) entlehnt. Daimon gehört vermutlich mit einer Grundbedeutung " Verteiler, Zuteiler (des Schicksals)" zu griech. daiesthai "(ver)teilen" und steht zusammen mit griech. dämos "Gebiet, Gau, Volk" (eigentlich "Abteilung") im größeren Zusammenhang der idg. Sippe von nhd. "Zeit".

Die Ableitung daimónion" ist der heutigen Bedeutung von "Schicksal" oder "Gewissen" verwandt und begleitete im antiken Verständnis den Menschen ein Leben lang. Nach Sokrates wird man mit einem daimon geboren, der das gesamte Leben erhalten bleibt; nach Platon wählt man sich die daimones im Sinne von Ideen oder medialen Kanälen zu den reinen Formen selbst. Noch im Frühchristentum waren Schutzgeister und Schutzengel im Sinne von Dämonen um das Seelenheil der Menschen bemüht. Erst im Mittelalter wurde Dämon negativ konnotiert und auf die teuflische Bedeutung reduziert.



(561) Sokrates: Weißt du, was nach Hesiod die Dämonen sind? Hermogenes: Ich entsinne mich nicht. Sokrates: Nicht, daß nach ihm zuerst unter den Menschen ein goldenes Geschlecht lebte? Hermogenes: Das weiß ich. Sokrates: Also darüber sagt er: Doch als dieses Geschlecht ins Dunkel entrückte das Schicksal, Wurden der unteren Welt hochhehre Dämonen genannt sie, Edle, des Leids Abwender, die Hüter der sterblichen Menschen.

(562) Hermogenes: Was willst du damit? Sokrates: Er nennt, denke ich, das goldne Geschlecht nicht ein aus natürlichem Golde Bestehendes, sondern ein gutes und edles. Zum Beweise dient mir, daß er auch uns das eiserne Geschlecht nennt. Hermogenes: Du hast recht. Sokrates: Glaubst du nicht, er werde auch von den jetzigen Menschen zu jenem goldenen Geschlechte jeden zählen, der gut ist? Hermogenes: Wahrscheinlich. Sokrates: Die Guten sind vernünftig, nicht wahr? Hermogenes: Ja. Sokrates: So also nennt er vorzüglich, wie mir dünkt, die Dämonen. Weil sie vernünftig und sinnig (daêmones) waren, nannte er sie Dämonen (daimonas). Auch findet sich in unserer alten Sprache so das Wort. Daher hat er recht, und andere Dichter auch, wenn sie sagen, wenn ein Guter gestorben sei, so erlange er großen Preis und Ehre und werde ein Dämon nach der Eigenschaft der Vernunft. Danach behaupte auch ich, jeder Mann, der gut ist, sei dämonisch im Leben und im Tode und heiße mit Recht ein Dämon.


Platon, Kratylos, in: Sämtliche Werke Bd. 1, Berlin 1940, S. 561.

Mythologie

Erwähnungen finden Dämonen bereits in den ältesten Zivilisationen wie Sumer, Akkad und dem alten Babylon. Dort werden Dämonen durchwegs als „böse Geister“ definiert.

In der christlichen und jüdischen Mythologie haben Dämonen ihren Ursprung in Lilith.

Dämon ist im Katholizismus der spezifische Ausdruck für einen gefallenen Engel. Der erste gefallene Engel wird mit dem Teufel gleichgesetzt, alle weiteren werden als Dämonen bezeichnet. Plural und Singular vermischen sich in der Figur des Teufels; er tritt oft als Multitude einer Dämonenschar auf.



Der Dämon als Zu- und Verteiler

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