Amok

Aus Daimon

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Oskar Kokoschka, Amokläufer, 1908. Tusche, Aquarell, Deckweiß über Bleistiftzeichung auf Papier, 23,7 x 17,2 cm.


Amok leitet sich vom malaiischen Wort "amuk" (wütend, zornig, rasend) ab. Eine weitere etymologische Herleitung zitiert das Wort "amuco", eine gebräuchliche Bezeichnung für Krieger in den Hindu-Staaten Indiens, die den Feind gewaltbereit angreifen und wutentbrannt vernichten. Seit Mitte des 19. Jhs. bezeichnet Amok einen Zustand krankhafter Verwirrung, gekennzeichnet durch blinde Zerstörungswut und Gewaltbereitschaft. Nach Meyer's Konversationslexikon von 1871 ist "Amucklaufen" eine barbarische Sitte unter mehreren malaischen Volksstämmen. "Sie besteht darin, dass durch Genuss von Opium bis zur Raserei Berauschte, mit einem Kris (Dolch) bewaffnet, sich auf die Straßen stürzen und jeden, dem sie begegnen, verwunden oder töten, bis sie selbst getötet werden." Heute wird unter Amok im medizinisch-psychologischen Bereich eine dissoziative Störung verstanden, meist der Epilepsie zugeordnet, die sich in einem destruktiven Verhalten und, über einen längeren Zeitraum geplant, in aggressiven Handlungen und Gewalttaten manifestiert.

In unterschiedlichen Kulturkreisen wird Amok im Aberglauben und von religiösen Gruppen als Besessenheitstrance gedeutet. Der Amokläufer steht demnach unter dem Einfluss eines Dämons, der ihn zur Handlung zwingt. Dissoziative Trance-Störungen sind in unterschiedlichen Kulturen verbreitet, wo sie als Bebainan in Indonesien, Latah in Malaysia, Pibloktoq in der Arktis, Ataque de nervios in Lateinamerika oder als Berserker beschrieben werden. Das aus altnordischen Schriften überlieferte Wort Berserkr bezeichnet gewaltbereite "Krieger, die in Bärenfälle gekleidet waren"[1], die nach schamanischer Vorstellung durch Anlegen eines Bären- oder Wolfsfelles in eine andere Bewusstseinsstufe eintreten, um den Zustand wilder Tierbesessenheit zu erreichen.

Der Amokläufer

Stefan Zweig beschreibt in seiner Erzählung Der Amokläufer die Raserei als eine Form der Besessenheit, die sich in einer irrationalen Verbindlichkeit äußert. Auf einer Schiffsreise von Kalkutta nach Neapel vertraut sich in einem langen Gespräch ein Arzt einem Fremden an. Er erzählt von einer Damenbekanntschaft, bei der er spürte, "wie das Dämonische ihres Willens" in ihm eindrang.[2] Seitdem steht er unter dem Zwang, diesen Willen mit der Entschlossenheit eines Amokläufers zu befolgen: "Also Amok ... ja Amok, das ist so: Ein Malaie, irgendein ganz einfacher, ganz gutmütiger Mensch, trinkt sein Gebräu in sich hinein ... er sitzt da, stumpf, gleichmütig, matt ... so wie ich in meinem Zimmer saß ... und plötzlich springt er auf, faßt den Dolch und rennt auf die Straße ... rennt geradeaus, immer nur geradeaus ... ohne zu wissen wohin ... Was ihm in den Weg tritt, Mensch oder Tier, das stößt er nieder mit seinem Kris, und der Blutrausch macht ihn nur noch hitziger (...) Die Leute in den Dörfern wissen, daß keine Macht einen Amokläufer aufhalten kann ... so brüllen sie warnend voraus, wenn er kommt: 'Amok! Amok!' (...)."[3]


Einzelnachweise

  1. http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/amok.html.
  2. Stefan Zweig, Der Amokläufer, Frankfurt am Main 2004, S. 97.
  3. Ebenda, S. 106.

Weblinks

Volker Faust, Amok