Epilepsie

Aus Daimon

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Raffael, Die Verklärung Christi, Vatikanische Museen, Rom. Der obere Teil des Bildes stellt die Verklärung (Transfiguration) Christi dar. Der untere Teil zeigt die Heilung des "mondsüchtigen", an Epilepsie leidenden Knaben, die in den Evangelien der Synoptiker (Matthäus, Markus, Lukas) unmittelbar auf die Beschreibung der Verklärung folgt.

Epilepsie geht auf das griechische Zeitwort epi-lambánein (anfassen, befallen) zurück. Ihre vermutlich erste Erwähnung findet Epilepsie im „Codex Hammurapi", wo ein Rückgaberecht für Sklaven eingeräumt wird, die von der „bennu-Krankheit" befallen sind. In der Antike wurde Epilepsie als „Heilige Krankheit" (morbus sacer) beschrieben. Die lateinische Bezeichnung „sacer", die sowohl heilig als auch Fluch bedeutet, charakterisiert die Wahrnehmung des Kranken als einen von einem Dämon Besessenen. Die Behandlungsmethoden griffen dementsprechend auf das bereits vor 2000 v.d.Z. verbreitete Konzept der Dämonologie zurück. Neben dem Exorzieren des Dämons kam vermutlich auch die Trepanation zur Anwendung, bei der ein Loch in den Schädel gebohrt wurde, durch das der böse Geist entweichen konnte. Hippokrates widmete der Epilepsie ein eigenes Buch, in dem der Begriff medizinisch erstmals in direkter Verbindung mit einem Anfallsleiden gebraucht wurde. Der Titel „Über die heilige Krankheit" (um 400 v.d.Z.) nimmt auf den Umstand Bezug, dass den Priestern keine Mittel der Heilkunst zur Verfügung standen und die Krankheit als göttlich verursacht angesehen wurde. Dagegen stellte Hippokrates die Ratio des beobachtenden Arztes. Im Laufe der Geschichte finden sich für Epilepsie u. a. die Namen orbus insputatus, scelestis, lunaticus, daemoniacus, böse Staupe, Gichter, Fraislein oder Fallsucht. Aus dem Mittelalter, wo die Krankheit als ein Zeichen der Besessenheit durch Dämonen galt, sind Namen von regionalen Heiligen wie St.-Veltins-Weh, St.-Johannes-Übel, St.-Cornelius-Siechtum oder St.-Paul's disease für Epilepsie überliefert, die zur Austreibung angebetet wurden.

In Regionen Afrikas gelten zum Teil bis heute parasitische Dämonen in Tiergestalt als Verursacher der Epilepsie. In Teilen Malawis sind es im Bauch lebende Insekten, in Uganda wird die Krankheit bei den Baganda durch eine Eidechse hervorgerufen, die im Kopf heranwächst.