Psyche

Aus Daimon

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Der seelische Apparat a.k.a Psyche nach Sigmund Freud.
(pch) Als man vor über hundert Jahren aufgehört hat von der Seele zu sprechen, ist an die leidige Stelle die Rede von der Psyche getreten. Die Psyche war davor ein bürgerliches Möbelstück, das zwar entfernt an einen Altar erinnert, im Unterschied zur Seele aber jeder sakralen Beziehung mangelt. Na gut, das lässt sich fein behaupten, aber ganz so richtig ist es auch wieder nicht, werden Sie sagen; tatsächlich hat eine Verschiebung der Perspektive stattgefunden: Es galt nun nicht mehr, Menschen zu ihren Höhen hinanzuziehen, sondern in ihre Tiefen hinunterzusteigen ― Synthese raus, Analyse rein. Insbesondere die Person Sigmund Freuds soll hier für diesen Wandel herhalten, immerhin hat er traumdeuterisch die Psyche erschlossen, im Schlafwandel sozusagen, ähnlich wie in wüstem Drängen auf morschen Karren eine Epoche vor ihm Pioniere den Wilden Westen. Und spektakulärer hätten die Berichte von seinen Reisen nicht ausfallen können, besonders aus jenem Bereich, den keiner kennt, dem Unbewussten: Eine Welt in der nichts so ist wie in der unsren, in der alles alles bedeutet, nur nicht das was es scheint, ein Land beinahe, in dem wie in der von Gulliver bereisten Stadt Lagado Häuser vom Dach nach unten gebaut und Frauen nach dem Geschick mit dem sie sich kleiden besteuert werden. Freuds Erzählungen von der menschlichen Psyche sind soweit Allgemeingut geworden, dass heute in einem beliebigen Fernsehkrimi eine Aussage wie: „Ich möchte Ihnen ja nichts Böses tun, aber für mein Unbewusstes kann ich nicht garantieren!” einen nicht mehr auf der Stelle Was heißt das? oder No-na-net denken lässt, sondern unmissverständlich als versteckte Drohung erkannt wird. Durch die Aufnahme des Unbewussten in die Person sei es vermeintlich domestiziert worden, stattdessen ist es aber zu dem verkommen, was man wünscht aber nicht einzugestehen wagt. Die Psyche als Vereinigung von Bewusstem und Unbewussten in einer Person ist bürgerliches Mobiliar geblieben; Sich einen Dämon wie einen Stubentiger halten zu können glauben, Sokrates bewahre!