Sprache
Aus Daimon
Wenn Sprache als Programmcode des Denkens fungiert, drängt sich die Vermutung auf, dass Sprache selbst ein Dämon ist. Über die Verselbständigung von Sprache äußerte Wilhelm von Humboldt: „Denn so innerlich auch die Sprache durchaus ist, so hat sie dennoch zugleich ein unabhängiges, äußeres, gegen den Menschen selbst Gewalt ausübendes Dasein.“[1] Nach Novalis ist der "lächerliche Irrtum" zu bewundern, dass die Leute glauben, sie sprächen um der Dinge willen. "Gerade das Eigentümliche der Sprache, dass sie sich bloß um sich selbst bekümmert, weiß keiner."[2] Heidegger mutmaßte, dass die Sprache uns wie ein Virus oder Parasit als Wirt benutzt: „Inzwischen erhält sich vordergründig immer noch der Anschein, als meistere der Mensch die Sprachmaschine. Aber die Wahrheit dürfte sein, daß die Sprachmaschine die Sprache in Betrieb nimmt und so das Wesen des Menschen meistert.“[3] Nach Umberto Eco spricht der Mensch nicht nur, er wird auch von der Sprache gesprochen, womit das System der Sprache uns als Geist konstituiert.[4]
Einzelnachweise
- ↑ Wilhelm von Humboldt, Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts, Paderborn 1998, S. 180.
- ↑ Novalis, "Monolog", in: Novalis, Schriften, Bd. II: Das philosophische Werk 1, S. 672.
- ↑ Martin Heidegger, Hebel. Der Hausfreund, Pfullingen 1991, S. 28.
- ↑ Vgl. Umberto Eco, Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte, Frankfurt 1977, S. 165.
