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Heidegger mutmaßte, dass die Sprache uns wie ein [[Virus]] oder [[Parasit]] als Wirt benutzt: „Inzwischen erhält sich vordergründig immer noch der Anschein, als meistere der Mensch die Sprachmaschine. Aber die Wahrheit dürfte sein, daß die Sprachmaschine die Sprache in Betrieb nimmt und so das Wesen des Menschen meistert.“<ref>Martin Heidegger, ''Hebel. Der Hausfreund'', Pfullingen 1991, S. 28.</ref> Merleau-Ponty schreibt: „Es gilt zu verstehen, dass die Dinge uns haben und nicht wir die Dinge haben. (...) Daß die Sprache uns hat und nicht wir die Sprache haben. Daß das Sein in uns spricht und nicht wir vom Sein sprechen."<ref>Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung, Berlin/New York 1966, S. 249.</ref> | Heidegger mutmaßte, dass die Sprache uns wie ein [[Virus]] oder [[Parasit]] als Wirt benutzt: „Inzwischen erhält sich vordergründig immer noch der Anschein, als meistere der Mensch die Sprachmaschine. Aber die Wahrheit dürfte sein, daß die Sprachmaschine die Sprache in Betrieb nimmt und so das Wesen des Menschen meistert.“<ref>Martin Heidegger, ''Hebel. Der Hausfreund'', Pfullingen 1991, S. 28.</ref> Merleau-Ponty schreibt: „Es gilt zu verstehen, dass die Dinge uns haben und nicht wir die Dinge haben. (...) Daß die Sprache uns hat und nicht wir die Sprache haben. Daß das Sein in uns spricht und nicht wir vom Sein sprechen."<ref>Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung, Berlin/New York 1966, S. 249.</ref> | ||
Nach Umberto Eco spricht der Mensch nicht nur, er wird auch von der Sprache gesprochen, womit das System der Sprache uns als Geist konstituiert.<ref>Vgl. Umberto Eco, ''Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte'', Frankfurt 1977, S. 165.</ref> Das Theorem einer Sprache als parasitäre Entität, die das Leben absorbiert und gespenstisch werden lässt, findet sich u.a. auch bei Lacan und Blanchot.<ref>Maurice Blanchot, "Die Literatur und das Recht auf den Tod", in: Ders., Von Kafka zu Kafka, Frankfurt a. M. 1993, S. 32 ff.</ref> | Nach Umberto Eco spricht der Mensch nicht nur, er wird auch von der Sprache gesprochen, womit das System der Sprache uns als Geist konstituiert.<ref>Vgl. Umberto Eco, ''Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte'', Frankfurt 1977, S. 165.</ref> Das Theorem einer Sprache als parasitäre Entität, die das Leben absorbiert und gespenstisch werden lässt, findet sich u.a. auch bei Lacan und Blanchot.<ref>Maurice Blanchot, "Die Literatur und das Recht auf den Tod", in: Ders., Von Kafka zu Kafka, Frankfurt a. M. 1993, S. 32 ff.</ref> | ||
Gespenstische Einflüsterungen, schizophrene Diskurse sowie eine Verselbständigung der Rede finden sich | Gespenstische Einflüsterungen, schizophrene Diskurse sowie eine Verselbständigung der Rede finden sich desweiteren in Erzählungen vermehrt ab dem 19. Jahrhundert u.a. bei E.T.A. Hoffmann, E. A. Poe, Henry James, Mallarmé, Fritz Mauthner, Hofmannsthal, Musil, Jeff Noon oder Yoko Tawada.<ref>Vgl. Monika Schmitz-Emans: " Gespenstische Rede", in: Moritz Baßler, Bettina Gruber, Martina Wagner-Egelhaaf (Hg.): Gespenster: Erscheinungen, Medien, Theorien, Würzburg 2005, S. 229-251.</ref> | ||
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Version vom 12. Mai 2014, 14:06 Uhr
"Erklangen von deinen Lippen schon einmal unbekannte Worte, unwillkommene Fetzen eines absurden Satzes", fragt Stéphane Mallarmé am Anfang seines Gedichtes Le Démon de L'Analogie. Wenn Sprache als Medium und Programmcode des Denkens fungiert, drängt sich die Vermutung auf, dass Sprache selbst ein Dämon ist. Über die Verselbständigung von Sprache äußerte Wilhelm von Humboldt: „Denn so innerlich auch die Sprache durchaus ist, so hat sie dennoch zugleich ein unabhängiges, äußeres, gegen den Menschen selbst Gewalt ausübendes Dasein.“[1] Nach Novalis ist der "lächerliche Irrtum" zu bewundern, dass die Leute glauben, sie sprächen um der Dinge willen. "Gerade das Eigentümliche der Sprache, dass sie sich bloß um sich selbst bekümmert, weiß keiner."[2] Heidegger mutmaßte, dass die Sprache uns wie ein Virus oder Parasit als Wirt benutzt: „Inzwischen erhält sich vordergründig immer noch der Anschein, als meistere der Mensch die Sprachmaschine. Aber die Wahrheit dürfte sein, daß die Sprachmaschine die Sprache in Betrieb nimmt und so das Wesen des Menschen meistert.“[3] Merleau-Ponty schreibt: „Es gilt zu verstehen, dass die Dinge uns haben und nicht wir die Dinge haben. (...) Daß die Sprache uns hat und nicht wir die Sprache haben. Daß das Sein in uns spricht und nicht wir vom Sein sprechen."[4] Nach Umberto Eco spricht der Mensch nicht nur, er wird auch von der Sprache gesprochen, womit das System der Sprache uns als Geist konstituiert.[5] Das Theorem einer Sprache als parasitäre Entität, die das Leben absorbiert und gespenstisch werden lässt, findet sich u.a. auch bei Lacan und Blanchot.[6] Gespenstische Einflüsterungen, schizophrene Diskurse sowie eine Verselbständigung der Rede finden sich desweiteren in Erzählungen vermehrt ab dem 19. Jahrhundert u.a. bei E.T.A. Hoffmann, E. A. Poe, Henry James, Mallarmé, Fritz Mauthner, Hofmannsthal, Musil, Jeff Noon oder Yoko Tawada.[7]
Einzelnachweise
- ↑ Wilhelm von Humboldt, Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts, Paderborn 1998, S. 180.
- ↑ Novalis, "Monolog", in: Novalis, Schriften, Bd. II: Das philosophische Werk 1, S. 672.
- ↑ Martin Heidegger, Hebel. Der Hausfreund, Pfullingen 1991, S. 28.
- ↑ Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung, Berlin/New York 1966, S. 249.
- ↑ Vgl. Umberto Eco, Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte, Frankfurt 1977, S. 165.
- ↑ Maurice Blanchot, "Die Literatur und das Recht auf den Tod", in: Ders., Von Kafka zu Kafka, Frankfurt a. M. 1993, S. 32 ff.
- ↑ Vgl. Monika Schmitz-Emans: " Gespenstische Rede", in: Moritz Baßler, Bettina Gruber, Martina Wagner-Egelhaaf (Hg.): Gespenster: Erscheinungen, Medien, Theorien, Würzburg 2005, S. 229-251.