Manifest: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 8. Juni 2007, 13:58 Uhr

Das Manifest (von lat. manifestus, handgreiflich gemacht) ist eine literarische Gattung, die historisch zuerst als politische Kampfschrift, ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. als literarisch-künstlerische Proklamation Verbreitung findet. Manifeste der bildenden Kunst, die oft mit der Konstitution von avantgardistischen Ismen in Verbindung stehen (Futurismus, Kubismus, Dadaismus, Surrealismus etc.), werden ab dem beginnenden 20. Jh. zu einem eigenständigen Stilmittel innerhalb modernistischer Strömungen. Das Manifest fungiert als programmatische Schrift mit unterschiedlichen Grundlagen und Absichten:
- Gründungsgestus einer Kunstrichtung, Künstlergruppe oder eines Stils
- Zuschreibungskonzept für künstlerisch (ideologisch) Gleichgesinnte und damit Schaffung einer kollektiven Identität für eine Künstlergruppe
- kritische Stellungnahme zu gesellschaftlichen und kulturellen Konditionen, insbesondere jenen, die von Politik und Wissenschaften geprägt sind
- Medium der historische Ausdifferenzierung (etwa in Form einer Ablehnung der Vergangenheit oder der Entwicklung von Utopien und Zukunftsprojektionen)
- Medium der Reflexion und Diskursinstrument fachlicher Auseinandersetzung
- Rezeptur, Handlungsanweisung oder Algorithmus zur Herstellung von Kunstwerken
Manifeste operieren als kulturelle Programme, die ein (meist offenes) Regelsystem entwerfen, aus dem sich Verfahrensweisen zur Produktion künstlerischer Werken ableiten. In diesem Sinn schafft jedes Manifest einen künstlerischen Daimon, der als Konzept und Software die Herstellung von Kunst steuert.