Demiurg

Aus Daimon

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William Blake, The Ancient of Days, 1794.

Das Wort Demiurg (griech. dêmiourgos: Schöpfer, Handwerker, Baumeister, Architekt) setzt sich zusammen aus demos (griech. Volk; vgl. weiters die etymologischen Bedeutungen von Dämon) und „ergos“ (griech. Tätigkeit). „Dêmiourgos“ heißt wörtlich „der für das/vor dem Volk Tätige“. Im Antiken Griechenland wurden dazu Handwerker, Künstler, Gewerbetreibende und Ärzte, gezählt. In Attika bildeten die Demiurgen nach dem Adel (Eupatriden) und den Grundbesitzern (Geomoren) den untersten der drei Bürgerstände. Bei Platon ist der Demiurg im Dialog Timaios der Schöpfergott, Weltbaumeister und „Allvater“ (patêr toude tou pantos, Tim. 28 C, 29 A). Die Welt wurde von Gott erschaffen und erbaut, indem er die Materie mit „Ideen“ informierte und diese aus dem Chaos in die Ordnung überführte. Der Demiurg ist bei Platon das Gute an sich, der alles im Sinne der Ideen gut gestaltet. Er übersetzt Ideen in Materie und bewirkt eine Art Transsubstantiation des göttlich Virtuellen ins irdisch Reale. Nach Platon erzielt der Demiurg dies durch Faltung geometrischer Flächen zu dreidimensionalen Körpern. Diese auf Maß, Zahl und Harmonie beruhenden Körper ordnen und bannen das Chaos und bilden die Grundlage für die Schaffung lebender Organismen.

Der Neupythagoreer und Neuplatonist Numenios von Apamea unterscheidet den Demiurgen als zweiten Gott (ho deuteros theos, ho dêmiourgos theos) von der höchsten Gottheit. Der Demiurg ist ein von Gott gemachter Gott, der in Anschauung der Ideen die Welt errichtet, die wiederum den dritten Gott verkörpert. Der Demiurg wird innerhalb dieser Trinität auch mit dem Logos identifiziert.

Bei den Gnostikern wird der Demiurg ebenfalls vom höchsten Gott unterschieden. Ihm haftet wie der materiellen Welt insgesamt die Sünde an. Zum Teil wurde er hetzerisch mit dem Judengott identifiziert oder als bösartiger Weltbildner beschrieben. In der späteren Gnosis steht der Demiurg für eine mythologische Figur, dessen Mutter Sophia (Weisheit) ist. Die Frage, warum ein vollkommener, guter Gott eine unvollkommene Welt erschaffen konnte, wurde mit Hilfe des Demiurgen beantwortet. Der Demiurg setzte die reinen Ideen Gottes als Bauplan der Welt fehlerhaft um und verunreinigte den Code Gottes. Damit entstand das Böse und schlichen sich Fehler und Bugs in den Ablauf der Welt. Die Gnostiker setzten den bösen demiurgischen Gott mit dem Gott des Alten Testaments gleich, der die Menschen im Zustand der Unkenntnis in der materiellen Welt belasse und ihre Versuche, Wissen und Einsicht zu erlangen, bestrafe.