Demos
Aus Daimon
"Durch irgendeinen verblüffenden Dreh der Etymologie hat es sich ergeben, daß diesselbe Wurzel den beiden Zwillingsbrüdern Dämon und Demos leben geschenkt hat: und diese beiden stehen mehr miteinander im Krieg als er je zwischen Eteokles und Polyneikes wütete. Das Wort "demos", das die Hälfte des vielgerühmten Worts "Demo-kratie" ausmacht, wird heimgesucht vom Dämon, ja vom Teufel, denn sie teilen die gleiche Wurzel, das indoeuropäische da-, und es bedeutet teilen, entzweien. Der Dämon stellt eine so schreckliche Bedrohung dar, weil er entzweit. Und der Demos stellt eine so willkommene Lösung dar, weil er ebenfalls entzweit. Ein Paradox? Nein, es rührt daher, daß wir durch so viele widersprüchliche Bindungen so entzweit sind, daß wir uns versammeln müssen."[1]
Einzelnachweise
- ↑ Bruno Latour, Von der Realpolitik zur Dingpolitik, Berlin 2005, S. 36.