Dionysos

Aus Daimon

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Eine Hetäre trägt das Symbol des Dionysos, einen gigantischen Phallus. Vasenmalerei auf einem Gefäß zum mischen von Wein, ca. 450 v. Chr., Staatliche Museen, Berlin.

Jane Harrison beschreibt in "Epilegomena" die Entstehung der Vorstellung von Göttern und Daimones bei den Griechen aus dem kollektiven Erleben eines starken emotionalen Feldes, das bei religiösen Festen, Tänzen und Ritualen erzeugt wurde. In diesem Feld erlebte das Kollektiv sich selbst als Gott oder Gruppe von Daimones, und die als emotionales Feld erlebte und in der Ekstase wohl auch visionär geschaute Gottheit wurde, wie die Altertumswissenschaftlerin schreibt, dann vor allem auf den Anführer des Rituals projiziert, den man "daimonon agumenos", den Führer der Daimones, nannte. Er war als "hervorgehobener Einzelner" in der Lage, das unbewusste kollektive Erleben zu fokussieren und ihm Ausdruck zu verleihen. Durch Tanz und Wein fuhr der göttliche Daimon Dionysos in die Körper und verwandelte die Mänaden, die Anhängerinnen des Dionysos-Kultes, zu Daimones. In seinem Gefolge fanden sich Satyrn, die in der griechischen Mythologien ebenfalls als Dämonen galten und ihrem umgangssprachlichen Namen "die Vollen" im Sinne ihres angetrunkenen Zustandes und ihrer sexuellen Erregtheit gerecht wurden.[1] Der Dionysoskult antizipiert das Lebensgefühl von Sex and Drugs and Rock 'n' Roll. Indem der Dämon inkarniert, erlebt sich die Person nicht als besessen, sondern durch den Zustand der Ekstase (ex-histasthai „aus sich heraustreten, außer sich sein“) befreit. Im Begriff Weingeist schwingt diese Bedeutungsebene bis heute nach: Der Wein, der durch dämonische Gärung zu Alkohol wurde, fährt als dionysischer Geist in den Körper und verwandelt den Betrunkenen in eine andere Person, indem der Dämon aus ihm spricht.


Einzelnachweise

  1. Vgl. Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen. 1984, Bd. I, S. 142.


Literatur

Jane Ellen Harrison, Epilegomena to the Study of Greek Religions and Themis a Study of the Social Origins of Greek Religion, Kessinger Publishing 2003.

Euripides, Die Bakchen