Enzym
Aus Daimon
In Zufall und Notwendigkeit (Orig.: Le hasard et la nécessité. Essai sur la philosophie naturelle de la biologie moderne, Paris 1970) beschreibt der französische Biochemiker Jaques Monod (1910 - 1976) einen Dämon, der gegen Zufall und Entropie vorgeht. Enzyme werden in die Tradition des Ordnung schaffenden Maxwell'schen Dämon gestellt, um ein Erklärungsmodell für Selektion und Evolution zu diskutieren. Selektion erfolgt nicht blind und zufällig, sondern beruht auf einem Dämon, der aus chaotischen Schwankungen Information gewinnt. Der Dämon, der in der Lage ist zufällige Fluktuationen in Information zu wandeln, ist nicht irgendein molekularer Gleichrichter, sondern ein im Mechanismus der Selektion verankertes Prinzip. Selektion agiert nicht blind und hat auch keine simple Filterfunktion, die ihr seit Darwin zugeschrieben wird, sondern operiert nach einem bestimmten Programm. Da Information der Entropie entgegengesetzt ist bzw. in Anlehnung an einen Lehrsatz von Leon Brillouin Information und negative Entropie äquivalent sind, braucht Leben und Evolution einen Zu- und Verteiler. In diesem Sinn sind Enzyme dämonische Wesen der Selektion.