Eros
Aus Daimon
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Göttlicher Eros
Eros (griechisch Ἔρως) bezeichnet in der griechischen Mythologie den Gott der (begehrlichen) Liebe. Ihm entspricht das römische Äquivalent Amor, auch Cupido (lat. Begierde) genannt.
In der Theogonie des Hesiod wird Eros als der Schönste unter den Unsterblichen eingeführt (Theogonie 120ff). Als Ur-Kraft in der Entwicklung des Chaos zum Kosmos wirkt Eros göttlich und universal, der Neues zeugend hervorbringt und Bestehendes zusammenhält.[1]
Eros wird in der Kunst als halbwüchsiger Knabe (mit Flügeln) dargestellt und mit Attributen der Peitsche, Pfeil und Bogen ausgestattet. "Wenn er auch wie ein Knabe aussieht, so ist er doch älter als Kronos und hat unbeschränkte Macht über Götter und Menschen."[2]
Eros (Amor, Cupido) vergegenwärtigt das (noch) unerfüllte Liebesbegehren und steht für einen Mittler, einen Liebesdaimon, der die Menschen einander zuteilt. Die Pfeile können als dämonische Werkzeuge beschrieben werden, dessen Empfängermedium sich der Handlungsanweisung in Form eines konditionierenden Triebprogramms nicht entziehen kann: Amor vincit omnia („Amor besiegt alles“).
Platonischer Eros
Sokrates im platonischen Symposion nannte Eros einen Daimon, ein zwischen Mensch und Gott vermittelnden Wesen und verweist mit dieser Bezeichnung auf jene kosmologischen Macht, deren Wirkung man verspürte, ohne sie einem Kult zuweisen zu können.[3]
Der platonische Sokrates beruft sich in seinen philosophischen Erläuterungen auf Diotima, die weise Frau aus Mantinea (Symposion 201d). Sie spricht von einem Mittlerwesen, das zwischen dem Menschlichen und Göttlichen angesiedelt ist, einem Daimonion.[4]. Aus Diotimas Sicht impliziert Eros die menschliche Sehnsucht nach Schönheit, Vereinigung und Zeugung, eine erotische Energie, Sokrates' geistiger Schau entsprechend steht der kosmische Eros für den philosophischen Aufstieg zur "Idee des Schönen an sich" (Symposion 210d); beiden gemeinsam ist Eros als Funken göttlichen Verlangens nach Unsterblichkeit und das "Streben nach dem vollkommen und darum dauernd Schönen."[5]
Daimon der kreativen Schöpfung
Zwischen der unvollkommenen physischen Welt und dem Göttlich-Schönen reist der dämonische Bote Eros und äußerst sich als eine das Leben antreibende, befruchtende und beständig in Gang haltende Kraft, um die Sehnsucht nach dem Vollkommenen zu stillen.
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Martin P. Nilsson, Geschichte der griechischen Religion, Die Religion Griechenlands bis auf die griechische Weltherrschaft, Bd. 1, München, 1992, S. 621ff.
- ↑ Hesiod: Theogonie 120ff
- ↑ Vgl. Albrecht Dihle, Griechische Literaturgeschichte, 3. Auflage, München, 1998, S. 214.
- ↑ Diotima
- ↑ Albrecht Dihle, Griechische Literaturgeschichte, 3. Auflage, München, 1998, S. 214. Vgl. weiters Gerhard Krüger, Einsicht und Leidenschaft: das Wesen des platonischen Denkens, 6. Auflage, Frankfurt am Main, 1992, S. 215ff.