Politiker

Aus Daimon

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In der Vortragsreihe Geistige Arbeit als Beruf (1918/19) äußerte sich Max Weber zum Berufsethos des Politikers: „Leidenschaft – Verantwortungsgefühl – Augenmaß. Leidenschaft im Sinne von Sachlichkeit: Leidenschaftliche Hingabe an eine Sache, an den Gott oder Dämon, der ihr Gebieter ist.“[1]

Während Max Weber Dämon im Sinne von Daimonion gebraucht, werden Julius Caesar, Alexander der Große, Nero, Machiavelli, Napoleon, Bismarck, Metternich, Hitler u. a. immer wieder als Dämonen oder von Dämonen Besessene in einem katholischen, d.h. teuflischen Sinne bezeichnet. Gestützt werden derartige Dämonisierungen etwa bei Caesar, Alexander oder Napoleon durch Krankheiten wie Epilepsie, die historisch mit Besessenheit in Verbindung gebracht wurden.

Die Dämonisierung von Politikern zielt meist auf die Vereinfachung historischer Dynamiken ab. Entwicklungen, die sich rationalen Erklärungsversuchen scheinbar entziehen, werden außerhalb der Vernunft gestellt. Im Sommer 2006 äußerte der römische Exorzist, Paulinerpater Gabriel Amorth: „Ich bin überzeugt, daß alle Nazis besessen waren.“ Amorth glaubt, dass Dämonen von Hitler und Stalin Besitz ergriffen hatten. Dämonen könnten nicht nur von einzelnen Personen, sondern auch von Gruppen oder ganzen Völkern Besitz ergreifen. Gemäß kürzlich veröffentlichter geheimer vatikanischer Dokumente habe Papst Pius XII. (1876 - 1958) nach Amorth bei Hitler einen Exorzismus aus der Ferne gesprochen.

Einzelnachweise

  1. Zit. n. Oskar Negt, Arbeit und menschliche Würde, S. 552. Orig.: Max Weber, "Politik als Beruf", in: Gesammelte politische Schriften, Tübingen 1958, S. 533.

Literatur

Anna M. Sigmund, Dämon, Diktator, Demagoge. Fragen und Antworten zu Adolf Hitler, Stuttgart 2006.