Sokratischer Dämon
Aus Daimon
Sokratischer Dämon (auch Daimonion) nannte Sokrates selbst (Xenophon und Platon zufolge) das höhere Wesen, von dem er meinte, dass es ihm durch ein göttliches Geschenk von Jugend an beiwohne und sich ihm, wenn er oder seine Freunde etwas Unrechtes zu tun im Begriff seien, als abratende, jedoch niemals als zuratende Stimme kundgebe. Diese Stimme sage ihm "ha te chrê poiein kai ha mê" (Xenophon, Memor. I, 4, 15, IV, 3, 12; vgl. auch IV, 8, 6); "emoi de tout' estin ek paidos arxamenon, phônê tis gignomenê, hê hotan genêtai, aei apotrepei me toutou, ho an mellô prattein, protrepei dê oupote" (Platon, Apolog. 31 D; Phaedr. 242 B). Weiters warnte das Daimonion Sokrates auch davor, mit bestimmten Menschen ein Gespräch zu führen (Platon Apol. 31 D und 41 D, Xen. Mem. I, 1, 6).
Das Daimonion teilte sich Sokrates zum Teil akustisch, zum Teil als innere Stimme und in Form von Träumen mit. Die Stimme hatte göttlichen Ursprung und meldete sich vergleichbar der Intuition unaufgefordert. Das Daimonion dachte Sokrates unabhängig vom eigenen rationalen Ich, weshalb es Erkenntnisse mitzuteilen in der Lage ist, die der vernunftsgemäßen Rationalität verborgen bleiben. Den Dämon schätzte Sokrates als unfehlbare Instanz, weshalb er Anweisungen auch gegen seine rationale Einsicht befolgte. Während Irrtümer menschlich sind, ist das Daimonion göttlich.
Die medizinische Interpretation des Sokratischen Dämons spricht von Symptomen der Epilepsie, unter der Sokrates litt.